"Es bleibt hart bis Ostern"

Christopher Ziedler und AFP

Von Christopher Ziedler & AFP

Mi, 13. Januar 2021

Deutschland

Kanzlerin besorgt wegen Corona-Mutationen / Variante aus Südafrika in Baden-Württemberg.

. Die Bundesregierung ist angesichts der explosionsartigen Ausbreitung der mutierten Virusvariante in Irland und anderen Staaten alarmiert und bereitet neue Schutzmaßnahmen vor. Derweil meldete die Landesregierung in Stuttgart den ersten Nachweis der Corona-Mutation B.1.351 aus Südafrika in Deutschland.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bezeichnete die Lage in Irland, wo sich der Ansteckungswert seit Jahresbeginn verzehnfacht hat, am Dienstag in der Unionsbundestagsfraktion Teilnehmern zufolge als "dramatisch" und "verheerend". Sollte sich die leichter übertragbare Variante auch in Deutschland in größerem Stil ausbreiten, erhöhe sich der Reproduktionsfaktor um 0,3 bis 0,4 Punkte. In dem Fall sind noch größere Einschränkungen nötig, um einen Rückgang der Fallzahlen zu erreichen. Merkel sagte: "Es bleibt hart bis Ostern", und: "Wir sind auf rauer See."

"Die Mutation des Virus in Großbritannien und Irland beunruhigt uns sehr", so Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus. Für ein Überspringen auf Deutschland, was verschärfte Einreiseregeln unterbinden sollen, "müssen wir gewappnet sein". In Baden-Württemberg wurde laut Sozialministerium erstmals die südafrikanische Variante des Virus nachgewiesen – bei einer Familie, die am 13. Dezember nach längerem Aufenthalt in Südafrika in den Zollernalbkreis zurückgekehrt sei. Am Montag sei der Nachweis von der Berliner Charité bestätigt worden. Das Bundeskabinett will am Mittwoch erstmals eigene Vorschriften für Ankünfte aus "Mutationsgebieten" erlassen.

In Berlin war am Dienstag zu hören, dass die Bundesregierung einen vorgezogenen Corona-Gipfel mit den Ministerpräsidenten der Länder erwägt, um die Schutzmaßnahmen erneut zu verschärfen. Bisher ist das nächste Treffen für 25. Januar vorgesehen. Nun müsste es nach Ansicht der Regierung schon früher darum gehen, weitere Einschränkungen bei privaten Kontakten zu ergreifen, den Arbeitnehmern deutlich mehr Homeoffice zu ermöglichen und die Ansteckungsgefahr im Öffentlichen Nahverkehr zu verringern. Im Gespräch ist zudem, dass bestimmte Maßnahmen nicht erst bei wöchentlich mehr als 200 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern, sondern generell ergriffen werden sollen.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) zeigte sich am Dienstag generell offen für härtere Regeln. "Wenn es nicht gut kommt", sagte er in Stuttgart, "müssen wir eventuell sogar noch mal verschärfen." Die Zahlen seien nicht so, dass man "ein großes Öffnungskonzert" veranstalten könne.

Zur Verringerung des Infektionsrisikos gilt in Bayern bereits von Montag an eine Pflicht zum Tragen von FFP2-Masken in Bussen und Bahnen sowie beim Einkaufen. "Die Verfügbarkeit im Handel ist ausreichend gewährleistet", sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Im Anschluss wurde in sozialen Netzwerken viel Kritik an der Maßnahme laut, weil für die deutlich teureren Masken keine generellen Vergünstigungen geplant sind. Diese gibt es nur für Bürgerinnen und Bürger, die 60 Jahre und älter sind.