Vorläufiges Ermittlungsergebnis

Orchideen-Klau im Taubergießen: Indizien deuten auf Wildschweine hin – Biologe widerspricht

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Di, 09. Juli 2019 um 14:48 Uhr

Kappel-Grafenhausen

Die Polizei hat neue Erkenntnisse zu dem mutmaßlichen Orchideen-Diebstahl im Naturschutzgebiet Taubergießen veröffentlicht. Offenbar spricht vieles dafür, dass hier Wildschweine am Werk waren.

Seit Anfang Mai waren an verschiedenen Stellen in dem Naturschutzgebiet die Knollen seltener Orchideen ausgegraben und mutmaßlich geklaut worden. Die Kriminalpolizei nahm die Ermittlungen auf, suchte nach Zeugen und und sprach von einer "nie da gewesenen Umweltstraftat".

Am Dienstag veröffentlichte die Polizei nun eine Pressemitteilung zu den vorläufigen Ergebnissen der Ermittlungen. Nach der Darstellung der Polizei ergab sich keine konkrete Spur, die darauf hindeutet, dass die Taten von Menschen begangen wurden. Hinweise darauf, dass es Wildschweine gewesen sein könnten, gibt es dagegen mehrere. Die Beamten durchforschten die betroffenen Gebiet mit Überwachungstechniken. Dabei fanden sie an Stellen, an denen Orchideen wachsen und nachts Wildschweine gesichtet wurden, am nächsten Morgen ausgegrabene Knollen und übriggelassene Orchideenstängel. Dabei bemerkten die Ermittler auch Ähnlichkeiten zu den vorherigen Ausgrabungen.

Die Ermittler hatten zunächst den Eindruck, dass eine Schaufel am Werk gewesen sein könnte. Dann zeigte sich aber, dass das Schneidewerkzeug der Wildschweine eine ähnliche Spur hinterlässt. Ein deutliches Indiz, das für Wildschweine als Täter spricht, ergab die labortechnische Untersuchung eines frisch ausgehobenen Loches. Hier wurden DNA-Spuren festgestellt, die laut Polizei eindeutig von einem Schwein stammten.

Medienberichte und Polizeipräsenz hatten keinen Abschreckungseffekt

Aus Sicht der Ermittler war von Beginn an auffällig, dass die mutmaßlichen Diebe offensichtlich keine Eile am Tatort hatten und sich trotz des Aufwands die Zeit, nahmen, die Orchideenstängel von den Knollen zu trennen. Ebenso untypisch erschien den Beamten, dass die überregionale Berichterstattung und die verstärkte Polizeipräsenz keinen Abschreckungseffekt hatten. Insbesondere am Tulla-Damm wurden die Ausgrabungen stattdessen scheinbar unbeeindruckt fortgesetzt.

Naturschützer Dietmar Keil widerspricht am Dienstag der Darstellung der Polizei. Er habe am Vormittag drei Stunden lang mit der Kripo an einem Pressetext gearbeitet, der dann aber, so sein Vorwurf, verfälscht worden sei. Die ursprüngliche Version des Textes machte laut Keil deutlich, dass bei einem Teil der Orchideendiebstähle auch Menschen als Täter in Frage kommen. An zwei Stellen wurde jeweils eine bestimmte Orchideensorten ausgegraben. "Wildschweine können aber nicht erkennen, welche Sorte sie vor sich haben", sagt Keil. "Dass nur eine Sorte ausgegraben wird, deutet definitiv auf Menschen hin." An einer anderen Stelle dagegen seien die Grabungslöcher unterschiedlich groß gewesen und verschiedene Sorten ausgegraben worden. Dort seien auf einem Foto dann auch Wildschweine gesehen worden, so Keil.

Yannik Hilger von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Offenburg betont auf BZ-Anfrage: "Wir formulieren eine polizeiliche Pressemitteilung aus polizeilicher Sicht. Da schreibt niemand anderes mit als die Staatsanwaltschaft oder in manchen Fällen eine Stadt oder Gemeinde." Er wiederholt auch, was schon in der von der Polizei veröffentlichten Mitteilung steht: "Wir haben keine konkreten Hinweise, die für Menschen als Täter sprechen."

Laut Keil ist auch ein Experte des Regierungspräsidiums (RP) Freiburg der Ansicht, dass für einen Teil der Grabungen nur Menschen als Täter in Frage kommen. RP-Sprecher Markus Adler sagt dazu auf BZ-Anfrage: "Die Polizei hat jetzt deutlich dargelegt, was sie in dem Fall alles unternommen hat." Es gebe keinen Grund, an dem nun veröffentlichten vorläufigen Ermittlungsergebnis zu zweifeln. "Es gibt keine Hinweise darauf, dass die Polizei nicht gründlich gearbeitet hat."

Zwischenzeitlich gingen vier mit dem Fall beauftragte Beamte mehr als 30 Hinweisen nach, befragten Experten, werteten Telefonverbindungsdaten aus und richteten groß angelegte Überwachungsmaßnahmen für das Gebiet ein.

Ermittlungen im Darknet führen zu Strafverfahren

Neben den Maßnahmen am Tatort ermittelten die Beamten auch in einschlägigen Onlineplattformen, Foren und Darknet-Marktplätzen. Verkaufsangebote, die sie dort entdeckten, überprüften sie auf mögliche Zusammenhänge mit den Ausgrabungen im Taubergießen. Die Ermittlungen ergaben zwar bis dato keinen direkten Bezug, führten aber zu weiteren Strafverfahren gegen Anbieter wegen verschiedener Verstöße. Diese werden laut Polizei gesondert bearbeitet.

Die vorläufigen Ermittlungsergebnisse gehen laut einem Polizeisprecher nun an die Staatsanwaltschaft. Diese muss dann entscheiden, ob weiter ermittelt wird. Ein Strafverfahren gegen Wildschweine ist allerdings nicht zu erwarten.