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Bernd Glebe

Von Bernd Glebe (dpa)

Di, 04. Mai 2021

Deutschland

Ermittler zerschlagen Kinderpornografie-Plattform im Darknet / Vier Deutsche verhaftet.

Nach mehrmonatigen Ermittlungen ist es der Polizei gelungen, eine der weltweit größten Kinderpornografie-Plattformen zu zerschlagen. Die Darknetplattform soll mehr als 400 000 Mitglieder gehabt haben und international ausgerichtet gewesen sein.

Unter den geteilten Bild- und Videoaufnahmen hätten sich auch Aufnahmen des schwersten sexuellen Missbrauchs von Kleinkindern befunden. Drei Männer wurden in Deutschland festgenommen, ein weiterer Tatverdächtiger in Paraguay gefasst, wie das Bundeskriminalamt (BKA) am Montag in Wiesbaden mitteilte.

Ermittler des BKA und der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt hatten Mitte April sieben Objekte in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Hamburg wegen des Verdachts der bandenmäßigen Verbreitung von kinderpornografischen Inhalten durchsucht und die drei Männer festgenommen. Zeitgleich sei auf Ersuchen der deutschen Strafverfolgungsbehörden die Festnahme eines weiteren mutmaßlichen Bandenmitglieds in Paraguay erfolgt. Alle vier Beschuldigten haben demnach die deutsche Staatsangehörigkeit.

Bei den drei Hauptbeschuldigten handele es sich um einen 40 Jahre alten Mann aus dem Kreis Paderborn, einen 49 Jahre alten Mann aus dem Landkreis München und einen 58 Jahre alten, aus Norddeutschland stammenden Mann, der seit mehreren Jahren in Südamerika lebt. Ihnen werde vorgeworfen, die kinderpornografische Darknetplattform als Administratoren betrieben zu haben, erklärte das BKA. In dieser Funktion sollen sie maßgeblich mit der technischen Umsetzung der Darknetseite, der Einrichtung und Wartung der Serverstruktur und der Mitgliederbetreuung auf der Plattform beschäftigt gewesen sein.

Einer der Beschuldigten lebt in Paraguay

Gegen den weiteren, 64 Jahre alten Beschuldigten aus Hamburg bestehe der Verdacht, als einer der aktivsten Nutzer der Plattform mehr als 3500 Beiträge gepostet zu haben, teilten die Ermittler mit. Die Beschuldigten befänden sich aufgrund der Haftbefehle des Amtsgerichts Frankfurt seit Mitte April in Untersuchungshaft, berichteten die Ermittler. Für den Beschuldigten in Paraguay liege ein internationaler Haftbefehl des Amtsgerichts Frankfurt am Main vor. Auf dessen Grundlage soll die Auslieferung des Tatverdächtigen nach Frankfurt erfolgen

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sagte: "Dieser Ermittlungserfolg hat eine klare Botschaft: Wer sich an den Schwächsten vergeht, ist nirgendwo sicher. Dafür arbeiten die Fahnder Tag und Nacht, online und offline, weltweit. Wir ziehen die Täter zur Rechenschaft und tun das Menschenmögliche, um Kinder vor so widerwärtigen Verbrechen zu schützen." Hessens Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) betonte, allen Personen, die diesen Darstellungen einen Markt gäben, müsse mit größter Konsequenz begegnet werden.

Die Plattform hatte nach Erkenntnissen der Ermittler seit mindestens Juni 2019 existiert und war ausschließlich über das sogenannte Darknet zu erreichen. Dabei sei es vor allem um den weltweiten Austausch von Missbrauchsaufnahmen von Jungen unter den Mitgliedern gegangen. Das kinderpornografische Forum und weitere Chatplattformen wurden laut BKA im Anschluss an die Durchsuchungsmaßnahmen abgeschaltet.