Ein Lachen mit Zwischentönen

Alexander Dick

Von Alexander Dick

Do, 10. Oktober 2019

Kino

Am Freitag feiert die Schweizer Theater- und Filmschauspielerin Liselotte "Lilo" Pulver ihren 90. Geburtstag.

Bei den Filmstars aus Übersee undenkbar: dass sie mit einer Theatertruppe durch die Provinz ziehen und auf den Brettern, die so gar nicht die große Welt bedeuten, stehen. Liselotte Pulver war sich nicht zu schade dafür, kam die Schweizerin doch selbst von der Bühne, debütierte dort am Theater ihrer Heimatstadt Bern, bis nach ihrem Engagement ans Zürcher Schauspiel die deutsche Filmszene der 1950er auf sie aufmerksam wurde: Beginn einer Karriere, die sie auch nach Hollywood hätte führen können. Wenn da nicht Terminschwierigkeiten und bestehende Verträge gewesen wären.

So also blieb sie dem deutschsprachigen Raum treu und auch immer wieder dem Theater. Wie 1986, als sie mit dem Tourneetheater Euro-Studio Landgraf für eine ausverkaufte Stadthalle in Schopfheim sorgte und in der Komödie "Lauf doch nicht immer weg" mit ihrem "berühmten, ansteckenden, lauten, durch den ganzen Körper bebenden Lachen" ein "wahres Furioso an Witz und Pointen" entfachte, wie in der BZ damals zu lesen war. Damit polierte die zur Lilo gewordene Liselotte eben weiter an jenem Klischee, mit der sie zur Marke geworden war. Ob als charmant-naives Ungarmädel Piroschka in Kurt Hoffmanns "Ich denke oft an Piroschka" (1955), ob als Schriftstellerin Julchen Thomas in Helmut Käutners "Zürcher Verlobung" oder als Sekretärin Ingeborg in Billy Wilders genialer, in den USA leider floppender deutsch-deutscher Satire "Ein, zwei, drei". Das herzerfrischende Pulver-Lachen vertuscht aber allzu oft die Zwischentöne. Pulvers Figuren konnten ebenso melancholisch wie durchtrieben sein, sie waren nie auf eine Type allein zu reduzieren.

Deshalb wohl standen ihr die Türen offen für die Hauptrolle in "Le Cid" an der Seite Charlton Hestons, und als sie absagen musste, kam Sophia Loren dran. Das hat sie auch viel später immer wieder als ihren größten Fehler bereut. Mittlerweile dürfte sie darüber hinweg sein: Am 11. Oktober darf sie ihren 90. Geburtstag feiern. Wohl eher zurückgezogen in dem Berner Seniorenstift, in dem sie heute lebt. Obwohl: Vor wenigen Wochen ist ein Buch mit ihren Lebenserinnerungen erschienen. Titel: " Was vergeht, ist nicht verloren". Das zeugt nicht gerade von Pessimismus.