Kinder – ja, aber doch nicht jetzt!

Heidi Ossenberg

Von Heidi Ossenberg

Mi, 12. Juni 2019

Kino

Kommunales Kino Freiburg zeigt "Liebesfilm".

Zugegeben: Die Sympathie der Rezensentin liegt sofort und eindeutig bei der weiblichen Hauptfigur dieses Films. Ira (Lana Cooper) ist eine selbstbewusste, kluge Frau, die weiß, was sie will. Sie hat einen Job, der nach Herausforderung klingt, um den sie aber wenig Aufhebens macht. Sie fliegt halt immer wieder in den Nahen Osten, um sich dort um die Verschlüsselung militärischer Kommunikation zu kümmern. Ja, sie hat eine kugelsichere Weste – aber Lenz’ Sorgen um terroristische Angriffe lacht sie einfach weg.

Lenz (Eric Klotzsch) ist der andere Hauptdarsteller in "Liebesfilm", einer wunderbar leichten und tiefgängigen Tragikomödie von Emma Rosa Simon und Robert Bohrer, die, wenn man das Presseheft liest, wohl auch ein wenig autobiografisch motiviert ist. Erzählt wird, wie der Titel nahe legt, die Liebesgeschichte von Ira und Lenz. Lenz ist das Gegenteil von Ira: Mit Anfang Dreißig ist er wohl etwas jünger als sie, er lebt in einer WG, hat keinen Job, keinen Plan, flunkert, trinkt, kifft und feiert gerne. Natürlich ist er in seiner Planlosigkeit auch irgendwie süß und charmant – scheint jedenfalls Ira zu denken. Die beiden verbringen viel Zeit in Berlin, sie haben Spaß, sie versichern einander sogar, dass sie sich lieben. Bis Ira eines Tages die Frage nach Kindern stellt.

Klar will Lenz irgendwann Kinder – aber doch auf gar keinen Fall jetzt, sagt er zu ihr. Ira hat verstanden – Lana Cooper hat die eindrucksvolle Fähigkeit, ihr Gesicht sprechen zu lassen – und fortan gehen die beiden getrennte Wege.

Das könnte es gewesen sein, doch so einfach ist es eben nicht, wenn man einander schon einmal so nah war. Körperlich und seelisch. Lenz wird in Tagträumen von Menschen heimgesucht, die im Zeitgeschehen eine Rolle spielen: Ein Soldat aus Afghanistan, der Kapitän, der das Kreuzfahrtschiff Costa Concordia vor der italienischen Küste auf Grund setzte. Nicht zufällig geht es da um das Thema Verantwortung – klar, in der großen Politik, aber was ist mit der Verantwortung für das eigene Leben und für das der Menschen, die man liebt?

Mit zwei authentischen Hauptdarstellern und einer glaubwürdigen, so präzise wie lässig erzählen Geschichte gelingt Simon und Bohrer ein packender, spannender, unterhaltsamer Film, über den man im Freundeskreis wird wunderbar diskutieren können.

"Liebesfilm" läuft im KoKi Freiburg noch am 12., 13. und 16. Juni.