Mit Strapsen und Hornbrille

Martin Schwickert

Von Martin Schwickert

Do, 18. Juli 2019

Kino

ACTIONTHRILLER: "Anna".

Nach seinem sehr kostspieligen und wenig erfolgreichen Science-Fiction-Spektakel "Valerian – Die Stadt der tausend Planeten" begibt sich Luc Besson mit "Anna" wieder auf abgesichertes Terrain. Die Story ist fast eine Blaupause seines Erfolgsfilms "Nikita" (1990). Mit voyeuristischem Geschick entwarf Besson damals das sexualisierte Bild einer wehrhaften, starken Frauenfigur, die sich in knapper Trikotage durch das männerdominierte Genre mordete. In "Angel A" (2005) und "Lucy" (2014) kochte er mit ähnlicher Rezeptur. Und auch in "Anna" wird eine junge Frau aus prekären Verhältnissen als Killerin vom Geheimdienst rekrutiert.

Supermodel Sasha Luss spielt hier die russische Matroschka-Verkäuferin, die in Paris als Model rasant Karriere macht. Aber das Leben auf dem Laufsteg ist nur eine schicke Tarnung für die KGB-Agentin. Ende der Achtziger ließ sich Anna vom Geheimdienstler Alex (Luke Evans) anwerben, um dem sozialen Elend als Waisenmädchen, Prostituierte und Drogensüchtige zu entfliehen. Dessen Vorgesetzte Olga (Helen Mirren) schickt die neue Mitarbeiterin zur Bewährung mit ungeladener Waffe in ein Restaurant, wo Anna ihre Gegner mit Messer, Gabel und zerbrochenen Tellern erledigt.

Wie in den Vorgängerfilmen mit weiblichen Vornamen im Titel zitiert sich Besson auch hier vorwiegend selbst. Dagegen ist urheberrechtlich nichts einzuwenden, aber "Anna" zeigt deutlich, wie sehr die Zeit an ihm vorbeigegangen ist. Deutlich antiquiert wirkt das Bild der sexy Kampfamazone, das ohne charakterdefinierende Beigaben überstrapaziert wird. Auf fast peinliche Weise fetischisiert Besson die Figur der schönen Profikillerin, die in Nylons mordet und gerne in hitzigen Beischlafszenen gezeigt wird.

Sasha Luss trägt Knarren und Perücken zwar mit gebührender Model-Eleganz, kann aber auf der Leinwand nicht genug Charisma entfalten, um der Stereotypisierung ihrer Figur entgegenzuwirken. Einziger Lichtblick: Helen Mirren als KGB-Vorgesetzte mit Hornbrille. In jeder Szene möchte man mit ihr durchbrennen. Weit weg. In einen anderen Film, der so eine coole Braut wirklich verdient. (Läuft flächendeckend, ab 16)

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