Kirchen sind bis Mitternacht geöffnet

Barbara Puppe

Von Barbara Puppe

Mi, 26. Juni 2019

Offenburg

Mehrere Gotteshäuser können am Freitagabend besucht werden / Frauenthemen im Fokus / Musik und kulinarische Spezialitäten.

OFFENBURG. "Gott hat nicht nur starke Söhne", so das Motto der kommenden "Nacht der Offenen Kirchen", sondern auch starke Töchter, die mit einer Vielfalt von Talenten gesegnet sind. Bei dieser – sie findet am Freitag, 28. Juni, statt, stehen deshalb Frauenthemen im Vordergrund.

Die Offenburger Innenstadtkirchen öffnen wieder ihre Türen und bieten den Besuchern bis kurz vor Mitternacht eine Vielzahl von Veranstaltungen. Erstmals ist auch die Dreifaltigkeitskirche mit dabei. Das Programm widmet sich in diesem Jahr unter dem Motto "Gott hat nicht nur starke Söhne" den starken Frauen, denn diese gab es zu biblischen Zeiten genauso wie heute und zu allen Zeiten. Allerdings werden sie immer noch schlechter bezahlt als Männer, sind weniger in den Vorstandsetagen vertreten und haben es auch in ihrer Kirche nicht leicht – besonders in der katholischen, denn da sind ihnen die Weiheämter verwehrt.

Für viele Katholikinnen ist das schon lange ein Ärgernis, aktuell hat eine Frauengruppe in Münster mit der Protestaktion Maria 2.0 zum Kirchenstreik aufgerufen, mit der die Frauen einmal mehr ihre Rechte einfordern. Auch in der Ortenau gab es kürzlich eine entsprechende Veranstaltung, bei der sich unterstützende Frauen zu Wort gemeldet haben.

"Wir sagen: Die Frau ist genauso stark wie der Mann, das ist ein wichtiges Thema auch für uns Kirchen, wir möchten uns da auch politisch einsetzen", erklärte Christian Kühlewein-Roloff, Pfarrer der evangelischen Stadtkirchengemeinde, mit Blick auf die kommende Nacht der Offenen Kirchen. Frauen, die in der Kirche arbeiten, kommen deshalb gleich nach dem Eröffnungsgottesdienst in der Mattiaskirche zu Wort, unter anderem eine altkatholische Priesterin und eine evangelische Pfarrerin, die als eine der ersten ordiniert und als Leiterin einer Gemeinde arbeiten durfte.

"Wir schauen auch auf die großen Frauen der Geschichte", so die katholische Dekanatsreferentin Ruth Scholz. Es gibt eine musikalische Veranstaltung zum biblischen Buch Ruth in der Heilig-Kreuzkirche, in der Klosterkirche werden Frauen aus der Bibel vorgestellt und Texte der evangelischen Theologin Dorothee Sölle unter dem Titel "Mystik und Widerstand" gelesen. In der Heilig-Kreuz-Kirche gibt es zudem eine Veranstaltung zu zwei mutigen Hebammen im biblischen Ägypten. Frauen in der Bibel sind auch Thema in der Neuapostolischen Kirche, die im vergangenen Jahr zum ersten Mal dabei war. Zur Geschichte des Tangos und anderer Tänze wird in der evangelischen Stadtkirche erzählt und getanzt, wobei es auch um die Frage geht: "Ist es nur der Mann, der führt?"

Wie in jedem Jahr stehen musikalische Angebote auf dem Programm: "Entdeckungen an der Orgel" beginnen um 20 Uhr in der evangelischen Stadtkirche, dort geht es um 22.30 Uhr weiter mit Musik für zwei Orgeln mit Felix Ketterer und Traugott Fünfgeld. Ein Stationenkonzert mit dem Dreifaltigkeitschor erklingt in der Dreifaltigkeitskirche, neue geistliche Lieder zum Zuhören und Mitsingen mit dem Chor Labunda gibt es in der Andreaskirche (jeweils 21.30 Uhr). Dort wird auch eine Segnungsandacht angeboten (22.30 Uhr). Die mit Kerzen erleuchtete Mattiaskirche lädt wie jedes Jahr ein zu besinnlichen Gesängen, Taizégebet und Zeiten der Stille.

Die Nacht der Offenen Kirchen hat sich in Offenburg längst etabliert, mehrere hundert Besucher nutzen alljährlich das Angebot, so die Organisatoren, genau könne man es nicht sagen, weil viele im Laufe des Abends kommen und gehen. So ist das offene Programm auch konzipiert. Man kann am – hoffentlich lauen – Sommerabend durch die Stadt flanieren, von Kirche zu Kirche, kann die ganze Zeit bleiben, muss es aber nicht. Die kirchlichen Angebote sind auch nicht nur für Gläubige gedacht, sondern auch für Fragende, Neugierige, für Leute, die unterwegs sind und reinschnuppern wollen.

Allerdings ist den Veranstaltern wichtig, dass das Programm von einer geistlichen Klammer gehalten wird, wie die evangelische Dekanin Jutta Wellhöner betont: dem ökumenischen Eröffnungsgottesdienst um 19 Uhr in der Mattiaskirche und dem Nachtgebet um 23.30 Uhr vor der Andreaskirche. Auch für das körperliche Wohl ist gesorgt, indisches Essen gibt es vor der evangelischen Stadtkirche, syrische Spezialitäten vor der Kreuzkirche.