Pfaffenweiler

Kirchenweihfest soll an die Erweiterung der Columbakirche erinnern

Sarah Schädler

Von Sarah Schädler

Do, 16. Mai 2019 um 19:08 Uhr

Pfaffenweiler

Vor 40 Jahren wurde die St. Columba in Pfaffenweiler erweitert. Der Platz reichte nicht mehr aus. Kurioserweise entdeckte ein Baggerfahrer zufällig Fresken aus dem 15. Jahrhundert.

War es Zufall oder hatte doch eine höhere Macht ihre Hände im Spiel, als Edgar Gerstner in der Kirche St. Columba in Pfaffenweiler eine besondere Entdeckung machte? "Jeder im Gemeindeteam sollte sich einen Ort im Gotteshaus aussuchen, der ihm zusagte", sagt Gerstner, der für die Öffentlichkeitsarbeit in der Pfarrgemeinde zuständig ist. Er habe sich für den Glockenturm entschieden. "Als ich dort stand, ist mir die in Stein gemeißelte Jahreszahl 1978 ins Auge gefallen", sagt er. Daraufhin habe sich die Gemeinde auf Spurensuche begeben.

Pfarrer legte 1978 eine Kupferkapsel in den Schlussstein

"Wir haben herausgefunden, dass die Gemeinde Pfaffenweiler am 1. Oktober 1978 – nach zweijähriger Bauzeit – einen Gottesdienst in der frisch renovierten und räumlich erweiterten Kirche abgehalten hat", erklärt Gerstner. Der damalige Pfarrer Adalbert Roth legte zu Beginn des Gottesdienstes eine Kupferkapsel in den Schlussstein, der im Turmuntergeschoss der Kirche eingefügt wurde.

Vor diesem Schlussstein stand Gerstner 2018. "Zuerst dachten wir, die Gemeinde Pfaffenweiler hätte das Jubiläum der Renovierung und Erneuerung verpasst", sagt Eugen Bösch, der seit 36 Jahren für die Gemeinde als Messner tätig ist. Bei weiterer Recherche habe man jedoch herausgefunden, dass die offizielle Kirchweihe erst ein Jahr später, am 13. Mai 1979, stattgefunden hat. "Das war eine gute Nachricht: Statt das Jubiläum verpasst zu haben, hatten wir noch ein Jahr dazugewonnen", ergänzt Gerstner.

Kirche ohne Seitenmauern

Seitdem wird recherchiert, geplant und organisiert, damit am 19. Mai alles rundläuft. Dann werden Renovierung und Erweiterung der Kirche vor 40 Jahren gefeiert. Morgens findet ein Festgottesdienst statt, beim gemeinsamen Mittagessen spielt der Musikverein, die Winzerkapelle trägt beim Frühschoppen in der Batzenberghalle zur Unterhaltung bei. Nicht nur das Programm ist für Bösch ein Grund zur Freude: "Der während der Bauzeit tätige Pfarrer Adalbert Roth ist beim Festtag dabei. Das ist natürlich toll für uns."

Auch Gemeindemitglied Alfons Watthiß erinnert sich noch gut an die Zeit des Umbaus. "Ein mulmiges Gefühl war es schon, als die Seitenmauern eingerissen wurden." Aber es sei ja für einen guten Zweck gewesen. So konnten selbst Skeptiker von der Notwendigkeit der Renovierung überzeugt werden. Zentral gelegen, konnten die Bewohner des Winzerdorfs die Erneuerung des Kirchengebäudes aus unmittelbarer Nähe verfolgen.

In den Jahren vor dem Umbau waren immer mehr Neubürger nach Pfaffenweiler gezogen: Die kleine Kirche aus dem 14. Jahrhundert reichte für die zunehmend größer werdende Gemeinde nicht mehr aus. "Außerdem war das Dach in die Jahre gekommen und undicht geworden", sagt Bösch. 1975 hatte man sich dann für Renovierung und Erweiterung entschieden: Die Architekten Josef Laule und Richard Schill arbeiteten zusammen mit dem Breisacher Künstler Helmut Lutz einen Entwurf aus: Um mehr Platz zu schaffen, sollte das viereckige Mittelteil in ein achteckiges verändert werden. Stirnwand und Chor blieben stehen.

Zentralraum der Kirche verfügt heute über 400 Sitzplätze

"Am Dienstag nach Pfingsten 1976 ging der Umbau los", sagt Bösch, dessen Vater damals – so wie sein Sohn heute – als Messner tätig war. Beachtlich sei, wie gut Künstler Helmut Lutz es geschafft habe, Altes und Neues zu verbinden. So wurde die alte Kommunionsschranke mit den musizierenden Engelsdarstellungen auf dessen Anregung hin in die Brüstung der Orgelempore eingebaut. Heute verfügt der Zentralraum der Kirche über 400 Sitzplätze und ist damit fast doppelt so groß wie das frühere Kirchenschiff.

Für eine große Überraschung sorgte ein Baggerfahrer, der hinter dem linken Seitenaltar Fresken aus dem 15. Jahrhundert entdeckte. "Das war ein großer Fund: Der Bagger ist gegen die Kirchenwand gestoßen, der Putz ist abgebröckelt – und da kam sie zum Vorschein, unsere Patronin, die heilige Columba", erinnert sich Bösch. Die Fresken gehören heute fest zum Erscheinungsbild der Kirche.

"Die Kirchweihe am 19. Mai soll die Gemeinde zusammenbringen und die Erinnerungen an die Umbauarbeiten wachhalten", sagt Gerstner. Außerdem könne es die Menschen daran erinnern, dass die wahren Schätze manchmal näher sind, als man denkt, und diese ganz geduldig darauf warten, entdeckt zu werden.
Kirchweihfest

40 Jahre nach Renovierung und Erweiterung der Kirche St. Columba in Pfaffenweiler am Sonntag, 19. Mai, mit Gottesdienst um 10.30 Uhr, Fest in der Batzenberghalle ab 12 Uhr, Frühschoppenkonzert von 12 bis 14 Uhr, Kaffee und Kuchen mit Musik, Bildern und Filmen vom Umbau sowie einem Kinderprogramm.