Kunst

Fotoclub Dreisamtal präsentiert seit 1996 Fotografen aus der Region

Horatio Gollin

Von Horatio Gollin

Di, 03. Dezember 2019 um 12:18 Uhr

Kirchzarten

Rund 500 Besucher kamen zum Kirchzartener Fotosalon des Fotoclubs Dreisamtal. 50 Künstler von Lörrach bis Offenburg präsentierten ein vielfältiges Schaffen im Kurhaus.

Während andere Stellwände geradezu mit Bildern überladen wirkten, zeigte die Stellwand von Michael Peters lediglich drei gerahmte Fotos. Die Szenerien waren verschwommen, kaum erkennbar. Auf einem Bild fokussiert sich alles auf einen Radfahrer, der schnell auf einer Straße unterwegs ist. Nur verwischt sind parkende Autos und der Treppenaufgang zur Wiwili-Brücke vor dem Konzerthaus in Freiburg zu erkennen. Je länger man das Bild betrachtete, desto klarer wurde es. Der Freiburger Peters hatte das Foto vom Balkon des Konzerthauses gemacht, mit der Hand geschwungen bei einer Sekunde Belichtungszeit. Nach einer Stunde hatte er fünf Bilder, die ihm gefielen. Peters erklärte, dass er den Zeitverlauf einfangen wolle. Die Bildaussage liege allein beim Betrachter.

Zwölfte Ausgabe seit 1996

50 Fotografen stellten beim Kirchzartener Fotosalon des Fotoclubs Dreisamtal aus. Es ist der zwölfte Fotosalon seit 1996, wie sich der ehemalige Vorsitzende Manfred Schäfer erinnerte. Die Grundidee ist bis heute, Fotografen die Möglichkeit zu geben, ihre Bilder zu zeigen.

Der Verein mache keine Vorgaben zu Themen oder Gestaltung der Präsentation, erklärte Vorsitzender Joachim Seidenberger. Die Fotografen könnten sich auf ihrer Stellwand von zwei auf drei Metern Größe im Kurhaussaal frei entfalten. Im Foyer zeigte der Fotoclub die Regioausstellung mit Aufnahmen von Mitgliedern der befreundeten Fotoclubs aus Münsingen in der Schweiz und Riedisheim in Frankreich zum Thema Architektur. Die Regioausstellung wandert durch die drei Orte, wobei immer die Fotos aus den zwei anderen Städten gezeigt werden.

Tiere, Landschaften und Porträts

Der Fotosalon zeigte ein vielfältiges Schaffen von Amateurfotografen und professionellen Fotografen zwischen Lörrach und Offenburg. Janine Machiedo aus Rheinhausen präsentierte inszenierte Realität, wobei sich die Fotokünstlerin in ihren düster-melancholische Bildern meist selbst in Szene setzte. Fast lebendig muteten die Fotos von Papageientauchern an, die Christina Wilhelm aus St. Peter diesen Sommer bei einem dreitägigen Aufenthalt auf der Insel Skomer Island vor Wales gemacht hatte. Unter dem Titel "Schwarzwald monochrom" zeigte Konrad Lenz aus Freiburg Schwarzweißaufnahmen von Bäumen, über denen Wolkentürme dräuten. Sasha Messmer aus Denzlingen präsentierte Fotos von Island.

Jens Mellies aus Emmendingen zeigte im Abriss befindliche Gebäude, sinnliche Fotos junger Frauen stellte Fabrizio Galuppi aus Merzhausen aus. Als besonders fantasievoll fielen die Aufnahmen von Christian Weiner aus Rheinhausen auf. Die Bilder trugen Titel wie Celtic War Witch oder Undine. Die sagenhafte Nymphe mit grüner Haut trägt Zweige und Blätter in den Haaren. Als Gesichtsbemalung ziert sie ein blaues Kreuz, desinteressiert blickt sie mit halbgeschlossenen Augen in die Kamera. Christian Weiner macht seit zehn Jahren Modellfotografie. Die Ideen kämen ihm meistens spontan. "Da spielen auch eigene Wünsche, Vorstellungen und Fantasien mit hinein, die man dann versucht, umzusetzen", erklärte Weiner. Zur Inszenierung werden die Models professionell geschminkt, im Anschluss bearbeitet Weiner die Bilder am PC.

Gewinner kommt aus der Schweiz

Mit rund 500 Besuchern war Vorsitzender Joachim Seidenberger mit der Resonanz auf den zweitägigen Fotosalon sehr zufrieden. Die dreiköpfige Jury aus Kunstexperte Jürgen Fiederlein, Grafik-Designer Søren Comes und Fotograf Martin Koswig kürte Christian Koradi aus Andelfingen in der Schweiz zum Sieger. Die Jury konnte Koradi mit seinen überarbeiteten Digitalfotos zum Thema Architektur überzeugen. Er zeigte starke Strukturen in weichen Farben. Leerräume in den Bildern ließen der Fantasie Platz. Die Bilder muteten wie Gemälde an. Auf den zweiten Platz kam Konrad Lenz. Christina Wilhelm wurde Drittplatzierte. Die von der Jury unabhängige Publikumswertung gewann Konrad Lenz.