Festspielhaus Baden-Baden

Benedikt Stampa präsentiert seine erste Spielzeit – und darf sich auf einen neuen Saal freuen

Alexander Dick

Von Alexander Dick

Fr, 15. März 2019 um 18:34 Uhr

Klassik

Intendant Benedikt Stampa (53) legt im Festspielhaus Baden-Baden sein erstes Programm vor. Zum Auftakt Ende September spielt das Freiburger Barockorchester – John Neumeier inszeniert.

Natürlich muss es anders sein – das signalisiert schon die Optik. Das Rot des Programmbuches – heller, frühlingshafter. Das Format des Hefts – etwas größer, dafür hoch, nicht mehr quer. Benedikt Stampa muss neue Akzente setzen, wie jeder neue Intendant. Doch der Blick in seine erste Saison 2019/20 im Festspielhaus Baden-Baden bestätigt dann auch: Der 53-jährige Musikmanager, der vom Konzerthaus Dortmund an die Oos wechselt, tritt nicht als Revolutionär an. Sondern als einer, der das Erbe seines Vorgängers Andreas Mölich-Zebhauser sorgsam erwerben, besitzen und vermehren möchte. Zu Letzterem gehört, wie auf BZ-Nachfrage bei der Pressekonferenz in Baden-Baden zu erfahren war, ein neuer Saal.

Der Vorsitzende des Stiftungsvorstands der Kulturstiftung Baden-Baden, Ernst-Moritz Lipp, sagte, dass die Finanzierung einer "Studiobühne" durch Privatmittel schon weit gediehen sei und man im Sommer mit der Planung voraussichtlich konkret werde. Das Gebäude mit einem kleineren Saal auf dem Areal des Parkplatzes hinter dem Festspielhaus soll Veranstaltungen beherbergen, für die das 2500 Besucher fassende Große Haus überdimensioniert ist, und mehr Flexibilität ermöglichen, wenn etwa die große Bühne für längere Probenphasen belegt sei.

Das zum Beispiel ist sicher zum Auftakt der neuen Saison bei den Herbstfestspielen der Fall. Stampa startet mit einer Baden-Badener Künstlerpartnerschaft, die er vertiefen möchte: Zu erleben sein wird John Neumeiers erste Operninszenierung (vom Februar 2019 in Hamburg) – Glucks "Orphée et Eurydice" als Ballettoper. Unter der Leitung des Spezialisten für historische Aufführungspraxis Alessandro de Marchi spielt das Freiburger Barockorchester (Premiere: 27. September). Neumeier, der Orpheus-Mythos und Beethoven sind Eckpfeiler dieser ersten Festspiele.

Stampa, dessen Dortmunder Programme hohe Zustimmung fanden, wird am Baden-Baden-Fahrplan auch festhalten: Herbst-, Oster-, Pfingst- und Sommerfestspiele, dazwischen große Konzertblöcke und auch Unterhaltungsprogramme. "Die Festspiele werden wir weiter profilieren", kündigt Stampa an und wartet mit einem Novum auf: "K – Künstlerische Serien neben den Festspielen". Das erste K gilt jenem C, das derzeit den Klassikmarkt aufwirbelt: C wie Currentzis. An drei Abenden wird Teodor Currentzis mit seinen Ensembles der Oper Perm nach Baden-Baden zurückkehren – mit Rameau, Mozart und einem Programm mit Chorgesängen.

Mit Currentzis und den Pfingstfestspielen kommt auch das – sein – SWR-Symphonieorchester nach Baden-Baden und besetzt künftig diesen Platz. Der "Verwurzelung des Orchesters in der Moderne" sollen fürs Erste Programme mit Fauré, Mahler und Schostakowitsch Rechnung tragen – Stampa fährt auf Sicht. Auch was die Frequenz der kostenintensiven szenischen Eigenproduktionen von Opern anlangt. Eine nur wird es geben in der neuen Spielzeit, die allerdings bei den Osterfestspielen der Berliner Philharmoniker 2019: Beethovens "Fidelio" (Regie: Mateja Koleznik). Kirill Petrenko, dann Chef der Berliner, wird dirigieren – mit ihm habe er das Festival schon bis 2023 geplant, sagt Stampa; eine klare Absage auch an Gerüchte, die Berliner Philharmoniker liebäugelten wieder mit dem Vorgänger-Festspielort Salzburg. Die Baden-Badener Osterfestival-Programme künden von intensivem Engagement – mit Dirigenten wie Herbert Blomstedt, Yannick Nézet-Séguin, Tugan Sokhiev oder Werken wie Beethovens Missa solemnis und allen Streichquartetten des Meisters an verschiedenen Baden-Badener Schauplätzen. Ein Novum, auch für die Philharmonischen Streichquartette.

Beethoven – der Jubilar (zum Beispiel im Februar unter Thomas Hengelbrock und Simon Rattle), und Baden-Baden – der "Sehnsuchtsort mitten in Europa": Ihnen gilt das Augenmerk des neuen Festspielhauschefs im Besonderen in seiner ersten Saison. Wobei er aus der Erkenntnis, sein neuer Wirkungsort sei ein einzigartiger mitten in Europa "eine Haltung" machen möchte: "Nicht weniger ist unser Anspruch."