Paderewski

CD: KLASSIK: Pianistenstar und Politiker

Alfred Rogoll

Von Alfred Rogoll

Sa, 18. Januar 2020

Klassik

Was für eine Doppelrolle: Ignacy Jan Paderewski (1860–1941) war zur Zeit von Polens Wiedergeburt nach dem Ersten Weltkrieg bis 1919 Ministerpräsident und Außenminister des Landes. Und er galt als herausragender Pianistenstar seiner Epoche. Besonders um 1890 entfesselte der Spross einer polnischen Adelsfamilie Begeisterungsstürme mit seinen Auftritten. Paderewskis in frühen Zeiten intensive Arbeit als Komponist, von Kammermusik bis zur (einzigen) Oper "Manru", geriet dagegen etwas in Vergessenheit. Sein einst gefeiertes Klavierkonzert in a-Moll, op. 17 von 1888 liegt nun in einer Neueinspielung vor: mit der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern unter Shiyeon Sung und der US-Pianistin Claire Huangci. Das bewegte Allegro des Kopfsatzes mit seinen unsteten Wechseln zwischen Dur und Moll, die innige Andante-Romanze und der stark kontrastive, dahineilende virtuose Schlusssatz: Sie verlangen der jungen chinesischstämmigen Solistin ein Höchstmaß an pianistischer Brillanz ab. Besonders das erregt tänzerische Melodiemoment im Schlusssatz des einst so populären Klavierheroen liegt ihr besonders. Dagegen wirkt die Interpretation von Chopins auf dieser Platte ebenfalls eingespieltem e-Moll-Konzert op. 11 eher durchschnittlich: gefällig – nicht mehr. Die Einspielung der Paderewski-Rarität macht die CD jedoch allemal zur wertigen Neuaufnahme.

Paderewski, Chopin: Claire Huangci, Piano. Deutsche Radio Philharmonie, Shiyeon Sung (SR/Edel).