"Es ist ein Ort voller Magie"

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Sa, 16. Februar 2019

Kleines Wiesental

Der Rosenhof in Schwand feiert in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen mit einem fünftägigen Tanzfestival im Juli.

KLEINES WIESENTAL. Das mit Rosenornamenten geschmückte schmiedeeiserne Tor steht weit offen: Seit 20 Jahren ist der Rosenhof in Schwand ein inspirierender Ort für zeitgenössischen Tanz, Tanztheater, Musik und Begegnungen mit Künstlern aus aller Welt. Zum Jubiläum plant die Gründerin und Leiterin des Kulturraums Rosenhof, Pilar Buira Ferre, im Juli ein fünftägiges Tanzfestival auf der Open-Air-Bühne.

Eigentlich mag sie "keine Kurven, keine Berge, keinen Schnee". Und doch hat sich die spanische Choreografin, Tanzpädagogin und Tänzerin Pilar Buira Ferre auf Anhieb in das ehemalige bäuerliche Anwesen im Kleinen Wiesental verliebt. Als sie damals die Scheune besichtigt hat, sagte sie: "Hier bleiben wir. Dieser Ort ist sehr speziell, er hat Seele und Kraft." Und so zog sie mit ihrer Familie 1999 nach Schwand und begann schon bald, Kulturideen für den Rosenhof zu entwickeln. In dem abgelegenen Dorf eine Plattform zu schaffen für zeitgenössischen Tanz und Tanztheater, war ein mutiger Schritt, denn Vergleichbares gab es weit und breit in Südbaden nicht. Mut, Enthusiasmus, Idealismus und Risikobereitschaft gehörten dazu, experimentelle Tanzformen in diesem kleinen Ort zu präsentieren. Der Rosenhof sei "ein Ort, der Menschen aus vielen Ländern und Kulturen willkommen heißt, ein Kaleidoskop von Farben, Freude, Freiheit und Vielfalt", sagt Pilar Buira Ferre. Für die gebürtige Spanierin ist es auch "ein Ort voller Magie", an dem sie sich sehr wohl fühlt.

Festivals machten Rosenhof schnell zum Geheimtipp

Durch die Festivals "Encuentros im Land", in denen Pilar Buira Ferre abwechselnd Tanzchoreografien, Kammermusik und Theater in den Fokus rückte, wurde der Kulturraum Rosenhof bald nach der Eröffnung zu einem Geheimtipp und zog immer mehr Kulturbegeisterte an. Nicht nur aus der Region, sondern aus einem weiten Einzugsbereich von Zürich bis Karlsruhe kamen die Besucher zu den Festivals und choreografischen Tanzabenden in der Kulturscheune.

Pilar Buira Ferre, die von 1990 bis 2003 Dozentin für Modernen Tanz und Choreografie an der Folkwang-Schule Essen war, holte durch ihre guten Kontakte in der Tanzszene herausragende Tänzerinnen und Tänzer in den Rosenhof. Und sie war überrascht, mit welcher Offenheit das Publikum diese unkonventionellen, spektakulären, modernen, auch provokativen Choreografien und Tanzperformances aufgenommen hat. Besonders eindrücklich in Erinnerung sind ihr die "Improvisationen à la Carte", bei denen die Tänzer, Schauspieler und Musiker spontan auf Wünsche des Publikums reagierten. Ergänzt wurde das Kulturprogramm im Rosenhof durch Konzerte und Lesungen im Musiksaal im Winterhalbjahr und Gastspiele des Theaters Total aus Bochum. 2004 wurde erstmals ein "Kunsthandwerkermarkt" mit künstlerischem Begleitprogramm organisiert. Einige Jahre lang lockte dieses "Kultur-Rendezvous" zahlreiche Besucher in das malerische Anwesen.

Als im November 2010 ein verheerender Brand die Kulturscheune, die Ausstellungsräume und den Wintergarten zerstörte, war das ein dramatischer Einschnitt. Doch auch nach dem Verlust der Kulturscheune als zentralem Veranstaltungsraum ließ sich Pilar Buira Ferre nicht entmutigen, sondern blieb an diesem Ort, der ihr so viel bedeutet. Zusammen mit dem 2003 gegründeten Verein und vielen Helfern schaffte sie es, in den Folgejahren zwei sommerliche Open-Air-Tanzfestivals auf einer überdachten Bühne zu veranstalten.

Das schicksalhafte Jahr 2010 öffnete Buira Ferre aber auch eine neue Tür. In diesem Jahr initiierte sie ihr Tanztheaterprojekt "In-Zeit-Sprung" für Frauen und Männer ab 40 Jahren, das ein großer Erfolg wurde und seither jährlich mit anderen Teilnehmern neu aufgelegt wird.

Von 2014 bis 2016 machte der Rosenhof eine schöpferische Pause, zog sich aus dem öffentlichen Kulturleben zurück. Im Sommer 2017 meldete er sich wieder zurück mit dem internationalen Festival "Tanz. Kultur. Dialog" im Garten, auf einem eigens gebauten, überdachten, nach allen Seiten offenen Tanzpodium. Auch im Juli 2018 führten auf dieser Freilichtbühne internationale Tänzerinnen und Tänzer und die "In-Zeit-Sprung"-Gruppe von Pilar Buira Ferre eigene Stücke auf, inmitten der Natur, mit Blick auf das Grün, die Bäume, die Wiese. Eine mit einer Plane überdachte Bühne im Freien samt Zuschauertribüne wird auch beim Jubiläumsfestival "20 Jahre Rosenhof" vom 17. bis 21. Juli aufgebaut. Zum runden Geburtstag hat Pilar Buira Ferre Tänzerinnen und Tänzer sowie Musiker eingeladen, die in den 20 Jahren schon einmal im Rosenhof zu Gast waren, darunter die Butoh-Tänzerin Kea Tonetti, die Tänzerin Neus Exposito, die ein Ensemble mitbringt, und den Saxofonisten David Salleras. Aber auch neue Künstler von der Compagnie Loop aus Basel werden dabei sein. Im Gespräch ist Pilar Buira Ferre auch mit Tänzern vom Wuppertaler Tanztheater Pina Bausch. Außerdem wird Buira Ferres eigenes Ensemble "Vis à Vie", das sich aus ehemaligen Teilnehmern von "In-Zeit-Sprung" formiert hat, speziell ein Stück einstudieren.

Ferner ist im Jubiläumsjahr am 29. Juni das zweite Schwander Singer-Songwriter-Festival geplant, das von Ben Meech und Kilya Vogel Buira im Amphitheater des Rosenhofs aufgezogen wird. Im August steht das Sommertanz-Camp "Die Farben des Tanzes" für Kinder und Jugendliche an und der bezaubernde Wanderzirkus Fahraway macht wieder hier Station. Erstmals öffnet der Rosenhof im September seine Tore für ein Tangofestival mit Workshops und Show.

Sponsoren für geplanten Neubau gesucht

Daneben tritt der Kulturraum Rosenhof auch mit anderen Projekten hervor, so mit einer Dialoggruppe, die sich einmal im Monat zum Gedankenaustausch trifft, und mit dem neuen Projekt "Wandern mit Zeit", bei dem ebenfalls jeder mitmachen kann. Am 30. März soll der Wiesentäler Sagenweg gemeinsam erwandert werden.

Der Verein ist zwischenzeitlich aufgelöst. Dafür wurde die Fondation Rosenhof gegründet, eine gemeinnützige Stiftung für Kultur, Bildung und Gesundheit. Im Garten, an dem Platz, wo im Sommer die Freiluftbühne aufgebaut wird, soll einmal ein Neubau entstehen, ein Veranstaltungsraum aus Holz und Glas, der Platz für 150 Zuschauer und ein Podium für kulturelle Veranstaltungen bietet. Der Bebauungsplan ist auf den Weg gebracht. Pilar Buira Ferre und ihr Team haben die Aktion "Stifte einen Stuhl" ins Leben gerufen, um Sponsoren zu finden. So können Gönner, die das Bauprojekt unterstützen wollen, einen Stuhl für den Saal stiften.

So soll eine Basis geschaffen werden, um irgendwann das Fundament des Neubaus zu legen. Ein neuer Kulturraum mit viel Glas, Durchsichtigkeit, Transparenz und freiem Blick in die Natur schwebt Pilar Buira Ferre vor.

Infos: Tel. 07629/9129838, http://www.kulturraumrosenhof.de