Zitterpartie vor der kürzesten Nacht

Gudrun Gehr

Von Gudrun Gehr

Di, 25. Juni 2019

Kleines Wiesental

Mit Harfen- und Gitarrenklängen wurde die Sommersonnenwende in Sallneck gefeiert.

KLEINES WIESENTAL/SALLNECK (ggw). Das Wetter muss ein Freund von Sonnwendfeiern sein. Es hatte sich bis kurz vor dem Veranstaltungsbeginn in Sallneck aufgrund des heftigen Regens eine richtiggehende Zitterpartie entwickelt, ob die Feier des Tourismusvereins Kleines Wiesental stattfinden kann. Doch die Veranstalter wurden durch eine spontane Wetterverbesserung belohnt, der Feuerstapel konnte wie geplant entzündet werden. Zur Sallnecker Sonnwendfeier strömten unerwartet viele Besucher zum Festplatz auf die Wiese neben dem Weideschopf. Für stimmungsvolle Unterhaltung war im Schein des lodernden Lagerfeuers gesorgt, für die Grillwürste sowieso.

Aite Tinga bezaubert mit Harfenspiel

Tourismusvereins-Vorsitzender Hubert Pohl stellte die in Wies neu zugezogene Harfenistin Aite Tinga vor, die das Fest mit Geschichten und schönem Harfenspiel belebte. Die in Basel geborene Musikerin studierte zunächst an der renommierten Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin und absolvierte als Weltenbummlerin zahlreiche Auftritte mit ihrer keltischen Harfe, darunter beim Theaterspektakel in Zürich, beim Literaturhaus Basel, bei der Casa de la Cultura Ecuador oder auch dem Rio Harp Festival in Brasilien. Sie arbeitet derzeit als freischaffende Musikerin und Schauspielerin. Als Enkelin eines Pfarrers ist Aite auch als freie Rednerin bei Taufen, Hochzeiten oder Trauerfeiern anzutreffen. Ihr großes Talent als Entertainerin bewies Aite am Sallnecker Feuerplatz. Sie beschrieb die Bedeutung der Sommersonnenwende. Dieser Tag wurde bereits von Kelten, Germanen und Slawen mit dem Entzünden eines Feuers gefeiert wurde. Im Christentum wird der Tag zeitnah durch das Johannifeuer verehrt. Das Sonnwendfeuer beinhaltet zahlreiche Rituale in Bezug auf Fruchtbarkeit, Reinigung, Heilung und als Schutz vor bösen Geistern. Zahlreiche Rituale werden mit dem Feuer verbunden, beispielsweise der Sprung übers Feuer als Hochzeitsversprechen oder das Vergraben eines Scheites als Schutz vor Ungeziefer auf dem Acker. Beim Johannitag, dem 24. Juni, handelt es sich um einen sogenannten Lostag. Hier endet die Spargelernte und die offizielle Heuernte beginnt. Auch legte Aite Tinga ein gutes Wort ein für Pflänzchen, die gewöhnlich als Unkraut verurteilt und herausgerupft werden. Sie zitierte Gedichte des Lyrikers Jan Wagner zum Giersch und zur Ranke von Friedrich Rückert. Ihre Beschreibungen untermalte Aite Tinga mit bezaubernder Harfenmusik, stimmungsvoll vor dem Lagerfeuer und im Hintergrund der Schweizer Jura sichtbar. Sie erhielt langen begeisterten Applaus.

Katharina Schlossars junge Sopranstimme

Im zweiten Teil des Abends präsentierte das junge Kleinwiesentäler Talent Katharina Schlossar ihre unverwechselbare Sopranstimme. Die 18-jährige Musikerin aus Wies-Wambach, die sich bei ihren Liedern mit Coverversionen, unter anderem von Tracy Chapman, Adele, Prince und Norah Jones selbst auf der Gitarre begleitete, zog in der dämmernden Sonnwendnacht das Publikum in ihren Bann. Sie wurde von Christoph Schweizer auf der Gitarre unterstützt. Das Gitarren-Duo verabschiedete sich mit der "Kleinwiesentäler Nationalhymne", dem Lied "Bajazzo". Pünktlich zum Veranstaltungsende gab es in der vierten Strophe eine Stromunterbrechung, was das Duo nicht hinderte, das Stück mit stimmkräftiger Unterstützung des Publikums "unplugged" zu beenden. Zeitgleich sorgte ein hereinbrechender Regenschauer für das Ende der Veranstaltung. Von Besuchern wurde der Auftritt Katharina Schlossar kommentiert: "Diese Stimme geht unter die Haut."