Kleinigkeiten offenbaren die Sicht auf Frauen

Doris Banzhaf

Von Doris Banzhaf (Freiburg)

Sa, 04. Juli 2020

Leserbriefe

Zu: "Ein Richter mit Vorgeschichte", Beitrag von Christian Rath (Politik, 22. Juni)
Zwei Artikel – oben der zum neuen Chef etwas länger und mit großem Foto, unten der zur neuen Verfassungsrichterin mit kleinem Foto – zu einem Mann und einer Frau. So weit, so ausgewogen, sollte man meinen. Doch diese Ausgewogenheit haben wir der Politik zu verdanken.

Die patriarchalische Haltung der Redaktion wird im Kleinen deutlich. Wir erfahren, dass der neue Präsident des Bundesverfassungsgerichts verheiratet ist und drei Kinder hat. Von seiner künftigen Kollegin dagegen heißt es nicht nur: verheiratet und zwei Kinder. Nein, verheiratet mit einem Arzt. Hoho! Was soll das? Ist das der wahre Beleg für ihre Intellektualität? Oder andersherum: Zählt die Ehefrau des Präsidenten nicht? Wenn es sich beim Beruf des Ehepartners um eine Information handelt, die in einem kurzen Text Priorität bekommt, warum fehlt diese dann bei der Ehepartnerin des Präsidenten? Es sind diese Kleinigkeiten, mit denen hier die Politikredaktion ihre Sicht auf Frauen und die allgemein große Notwendigkeit der ungeliebten Genderpolitik offenbart. Doris Banzhaf, Freiburg