Kommunalpolitisch und künstlerisch unterwegs

Martha Weishaar und Wilfried Dieckmann

Von Martha Weishaar & Wilfried Dieckmann

Mo, 03. Mai 2021

Bonndorf

Maigeister nehmen sich der Bonndorfer Bürgermeisterwahl ebenso an wie der Ausstattung des Schlühüwanaparks Grafenhausen.

. Zwar wenige, aber wenigstens der eine oder andere Kobold wahrte trotz Corona-Pandemie die Tradition der Maischerze. In Gündelwangen gaben die Maigeister auf dem Dorfplatz eine scherzhaft politische Stellungnahme zur Bürgermeisterwahl und kommunalpolitischen Anliegen ab. Die Installation von Plakaten und Schildern lässt jedenfalls Spielraum für Spekulationen, was im Einzelnen gemeint sein könnte. Ob der künftige Bürgermeister manch einen der Hinweise als Handlungsempfehlung aufgreift, wird sich zeigen.

Die Vereinsgemeinschaft Gündelwangen schmückte in kleinster Besetzung Corona-konform zudem den Vereinsbaum auf dem Dorfplatz mit dekoriertem Tännle und Kranz. Die Vereinsvertreter hoffen, dass dies im nächsten Jahr wieder mit Blasmusik und geselligem Beisammensein stattfinden kann.

Ob diese Aktivitäten die Aufmerksamkeit des neugierigen Storches auf einem der Flutlichtmasten des Sportplatzes fesselte, ist nur ihm bekannt. Gündelwangen jedenfalls war "Hotspot" im positiven Sinn, denn außer der Plakataktion am Dorfplatz monierten Maigeister auch den "Gefängniszaun" um den einstigen Jokelehof an der Bonndorfer Straße in Form eines Banners.

Keinen besonderen Fleiß legten diejenigen an den Tag, respektive die Nacht, die einer Angebeteten ihre Verehrung mittels eines "Tännles" zum Ausdruck bringen. Gerade mal eines, und das ohne jeglichen Schmuck, wurde beim Streifzug durchs Städtle gesichtet.

Da staunten Passanten am frühen Morgen nicht schlecht: Künstlerisch um eine hölzerne Phallusskulptur reicher ist der Eingangsbereich des Schlühüwanaparks bei Rothaus. Ob das Objekt in direktem Bezug zu den bereits zu Jahresanfang im Allgäu sowie im April bei Ravensburg mehrfach aufgetauchten, teils wieder verschwundenen derartigen Skulpturen steht, ist unklar.

In Grafenhausen stellt sich zudem die Frage, ob hier die Biberpopulation vom nahegelegenen Schlüchtsee am Werk war. Wie auch immer. Verlassen die Betrachter jedoch den Gedanken des Maischerzes, dann stehen schnell kulturhistorische Zusammenhänge im Raum, da ein Phallus in vielen Ländern seit tausenden von Jahren als Symbol für Kraft und Fruchtbarkeit gedeutet wurde. Ein solches beim Familienpark getreu der Redensart "ein Schelm, der Böses dabei denkt" zu vermuten, liegt nicht fern.

In Grafenhausen selber stand der 1. Mai, der normalerweise frühmorgens mit Musik der Musikkapelle begrüßt wird, unter anderen Vorzeichen. Angesichts der Corona-Pandemie fand dieser Maibeginn im Zeichen der Ruhe statt.