Kraftakt im Kraichgau

David Weigend

Von David Weigend

Mo, 19. September 2022

APA

Nach dem 0:0 bei der TSG Hoffenheim setzt sich der SC Freiburg auf dem dritten Tabellenplatz hinter Union Berlin und Dortmund fest.

Der SC Freiburg hat sich bei der TSG Hoffenheim am Sonntagabend ein 0:0 erkämpft. In einer ausgeglichenen Partie kam der Sportclub im Kraichgau zu einigen Torchancen, die jedoch ungenutzt blieben. Tabellarisch rutschen die Freiburger in der Bundesliga einen Rang hinunter – auf Platz drei.

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Rotation? Nein. Christian Streich folgte in Hoffenheim in Sachen Aufstellung der Devise: "Never change a winning team" und schickte zum dritten Mal in Folge dieselbe 4-2-3-1-Startelf auf den Platz wie schon beim 3:0-Sieg am Donnerstagabend in Piräus und beim 0:0 gegen Mönchengladbach am vergangenen Sonntag. "Ich gehe mal davon aus, dass es gut geht", sagte SC-Coach Christian Streich vor dem Anpfiff – im Vertrauen auf die schnelle Regeneration seiner Spieler.

Beim Wiedersehen mit dem Freiburger Eigengewächs Oliver Baumann im TSG-Tor traf die auswärtsstärkste Mannschaft der Liga (SC Freiburg, bislang drei Siege in der Ferne) auf das heimstärkste Team (Hoffenheim, bislang drei Heimsiege in dieser Saison).

Hohes Pressing, ackern gegen den Ball: Die Gäste versuchten es von Beginn an mit dem gleichen Rezept, das in Piräus zum Erfolg geführt hatte. Dem SC gelang es, die Passwege der TSG zuzustellen, so dass sich Hoffenheim gezwungen sah, lange, hohe Bälle zu spielen. Auf diese Weise kamen die Gastgeber zur ersten Chance, doch Sascha Prömel scheiterte an SC-Keeper Mark Flekken (11. Minute). Neun Minuten später wiederholte sich dieses Duell, erneut konnte Flekken klären. Auf der anderen Seite war es Ritsu Doan, der Baumann aus spitzem Winkel erstmals prüfte (16.). Daniel Kofi Kyereh, Michael Gregoritsch und Christian Günter verbuchten weitere Abschlüsse für den Sportclub, allesamt aber am TSG-Tor vorbei. Der SC hatte im ersten Durchgang etwas mehr Spielanteile und war griffiger in den Zweikämpfen, aber eben ohne Torerfolg.

Beide Mannschaften kamen unverändert aus der Kabine in den Regen, die Kraichgauer verzeichneten die erste Chance der zweiten Halbzeit: Angelino köpfte in den Lauf von Christoph Baumgartner, der den Ball direkt aus der Luft annahm und nur knapp übers Tor schoss. Die TSG kam insgesamt besser aus der Pause, doch die Gäste setzten nach einer Stunde ebenfalls ein Ausrufezeichen: Doan dribbelte Angelino aus, der Ball landete über Kyereh bei Maximilian Eggestein, doch dieser schoss von der Strafraumkante am Tor vorbei (60.).

Vincenzo Grifo, der in der ersten Halbzeit von der Hoffenheimer Verteidigung weitgehend neutralisiert wurde, fand nun besser ins Spiel und bediente Nicolas Höfler, doch auch sein Schuss landete über dem Tor (66.). Die Gäste suchten geduldig nach der Lücke in der Hoffenheimer Abwehrkette, doch war zu erkennen, dass den Freiburgern eine Englische Woche in den Knochen steckte und die Kräfte nachließen. Auch über Standards, normalerweise eine Stärke der Südbadener, konnte der SC nicht reüssieren. Folgerichtig nahm Streich für die letzte Viertelstunde einen Dreifachwechsel vor, indem er Wooyeong Jeong, Kevin Schade und Noah Weißhaupt aufs Feld schickte. Doch das Trio, dann auch noch durch Nils Petersen verstärkt, musste sich auf Defensivaktionen beschränken, um TSG-Stürmer Georginio Rutter in Schach zu halten. Dann aber machte Schade auf sich aufmerksam, setzte sich mit Tempo auf der rechten Seite durch – seine abgefälschte Flanke konnte Baumann gerade noch vor der Torlinie klären.

Kurz darauf kam Jeong noch zu einem Abschluss, der jedoch zu harmlos geriet. Mehr Volumen hatte da wiederum der Abschluss von Rutter, den Flekken noch mit dem Oberkörper halten konnte. Es war die letzte Chance des Spiels. Freiburg rutscht einen Rang runter auf Platz drei. Christian Streich dürfte das Remis in Nordbaden eindeutig als Punktgewinn interpretieren.

"Ich hätte gerne gewonnen, aber es war ziemlich ausgeglichen und das brutal schwere Spiel, das wir erwartet hatten", resümierte TSG-Torwart Baumann am Ende bei DAZN. Der Ex-Freiburger bezeichnete den Sportclub als "Top-Mannschaft". Baumann habe nach Abpfiff mit seinem ehemaligen Kollegen Nicolas Höfler gesprochen: "Chicco meinte, sie seien nach den Spielen gegen Mönchengladbach und Olympiakos Piräus k.o. gewesen." Umso höher ist dem SC die Kraftleistung bei der TSG anzurechnen.