Alltag hinter Festungsmauern

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Fr, 15. März 2019

Kultur

Dreiländermuseum widmet sich der Geschichte des Lörracher Wahrzeichens, der Burg Rötteln.

Als Wahrzeichen der Stadt thront sie weithin sichtbar hoch über Lörrach: Die Burg Rötteln zieht als größte Ruine Südbadens und wichtige Touristenattraktion Besucher von nah und fern an. Das Dreiländermuseum Lörrach widmet sich in einer Sonderausstellung vom 13. April bis 17. November der Geschichte des Burggemäuers.

Die Ausstellung ist eine Kooperation des Dreiländermuseums, der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg und des Röttelnbunds, der sich seit fast 95 Jahren um die Instandhaltung der Burgruine kümmert. In dieser Präsentation, die sich über ein ganzes Stockwerk erstreckt, wird die ereignisreiche Geschichte der Burg beleuchtet. Anhand von 300 Exponaten, digitalen Rekonstruktionen und historischen Abbildungen wird auf 400 Quadratmeter Ausstellungsfläche anschaulich gemacht, wie sich das Leben und der Alltag auf der Burg gestaltete.

In fünf Räumen können die Besucher durch mehrere Jahrhunderte der Burggeschichte wandern. In einem fundierten Überblick wird über die chronologischen Geschehnisse und die Entwicklung des Herrschaftsgebiets zwischen Basel und Frankreich informiert. Ferner geben Exponate aus der Museumssammlung einen Eindruck vom einstigen Burgleben und der Wohnkultur auf der Burg.

Der geschichtliche Rundgang beginnt im Hochmittelalter. Die genaue Entstehungszeit ist baugeschichtlich schwer zu datieren. Die erste urkundliche Erwähnung der Burg stammt aus dem Jahr 1259. Doch wohl schon um das Jahr 1000 haben die Herren von Rötteln, im 12. und 13. Jahrhundert eines der bedeutendsten Adelsgeschlechter am Oberrhein, oberhalb von Haagen mit dem Bau einer Burg begonnen. Das Röttler Erbe fiel an die Markgrafen von Hachberg-Sausenberg, die Anfang des 14. Jahrhunderts die Burg in großem Stil erweitern ließen und zu einer prächtigen Residenz ausbauten. 1503 ging die Burg an das Haus Baden. Für die nächsten 175 Jahre war sie einer von mehreren Verwaltungssitzen des badischen Territoriums. 1678 wurde die Burg durch französische Truppen zerstört, lag lange Zeit in einer Art Dornröschenschlaf, bis sie, auch durch die Bemühungen und Aktivitäten des Röttelnbundes, wieder stärker ins Bewusstsein gerückt wurde. Auch Johann Peter Hebel hat in seinem Gedicht "Die Vergänglichkeit" der Burg Rötteln ein literarisches Denkmal gesetzt.

Alle diese Stationen in der wechselhaften Geschichte der Burg werden in der Sonderschau dargestellt. Gezeigt wird auch der Wandel, den sie als "multifunktionales Bauwerk" durchgemacht hat. Sie war nicht nur ein Wehrort, sondern war auch Produktionsort, wo Handwerker verschiedenster Art zugange waren. Dies wird durch Objekte illustriert. Das Museum verfügt in seiner Sammlung über genügend Exponate, die einen Eindruck vom Alltagsleben auf der Burg geben. Darunter sind Funde von Ausgrabungen, Scherben und Fragmente von Glas und Keramik. So wurden Fragmente von Ofenkacheln aus dem 14. bis 17. Jahrhundert gefunden. Auch alte Stiche und Illustrationen von Burg Rötteln werden zu sehen sein, ebenso wie Dokumente aus dem 17. Jahrhundert.

Auch neue Erkenntnisse werden geboten

Es ist nicht das erste Mal, dass sich das Museum speziell mit der Burg Rötteln befasst. In der Dauerausstellung im Dreiländermuseum wird in einer Vitrine die Geschichte der Burg thematisiert, mit einer Ansicht der Burganlage von 1828, mit Waffen, Werkzeugen, Gefäßen, Geschirr . Außerdem sieht man in der Dauerausstellung ein Modell der Burg Rötteln um 1650.

An das bisherige Wissen und die Forschungen über die Burg knüpft die Ausstellung in aktualisierter Form an. In den letzten Jahren und verstärkt auf die geplante Sonderausstellung hin habe man, so der Archäologe und Museumspädagoge Dominik Baiker, "Experten noch mal drauf schauen lassen". So bietet die Schau auch spannende neue Erkenntnisse.

Die als Familienausstellung konzipierte Rötteln-Schau ist in zwei Teile gegliedert. Zum einen gibt es den historischen Überblick über die Geschichte der Burg. Daran angegliedert ist ein Bereich für Kinder und Familien, ein Erlebnisraum, in dem das Thema Burg in spielerischer Weise in Mitmachstationen aufgegriffen wird.

"Wir berücksichtigen einen breiten Querschnitt an Besuchern", so Baiker, "Heimatinteressierte, Leute, die viel Kenntnis über die Burg haben, aber auch junge Familien." In einem Rahmenprogramm werden neben Workshops und Vorträgen auch Exkursionen zur Burg Rötteln und "auf den Spuren der Röttler" angeboten.

Die Ausstellung "Burg Rötteln – Herrschaft zwischen Basel
und Frankreich" wird am 12. April, 19 Uhr, eröffnet und dauert bis 17. November. Zu sehen ist sie von Dienstag bis Sonntag,

jeweils 11 bis 18 Uhr.