Davon geht die Welt nicht unter

Martin Schwickert

Von Martin Schwickert

Sa, 17. Juli 2010

Kultur

Abschied vom "Master of Disaster"? Roland Emmerich dreht in Babelsberg "Anonymous" über den Mann hinter Shakespeare.

Es stinkt nach Fisch. Die Kiste Makrelen, die der Produktions-Designer ans Set schleppen ließ, steht hier schon ein paar Tage in der Sonne. Das soll so sein. Schließlich war das Leben im London des 16. Jahrhunderts auch kein Zuckerschlecken. Die kleinen Fachwerkhäuser ragen schief in die enge Gasse hinein. Über den schlammigen Untergrund der Straße windet sich in der Mitte ein schmaler Holzsteg. Vor einem Haus brodelt Suppe in einem Kessel auf dem Feuer. Die Männer und Frauen tragen grobe Leinenkleider und unförmige Wollfilzhosen. Die Maskenbildner frischen mit dem Schminkpinsel bei einigen Komparsen den Dreck in den Gesichtern auf. Man sieht, dass hier nicht für einen Schönheitswettbewerb gecastet wurde, sondern echte Charakterköpfe gefragt waren. Markante Nasen, buschige Augenbrauen, verzottelte Bärte, Zähne, die auch ohne Spange ihren Platz im Gebiss gefunden haben, dominieren das Bild. Die Pause für die rund 550 Statisten am Set von Roland Emmerichs "Anonymous", der zur Zeit im Filmstudio Babelsberg bei Berlin gedreht wird, ist nur kurz. Da ruft erneut die Stimme des Meisters durch die Lautsprecher. Die Plastikbecher werden eingesammelt, das Handy verschwindet unter der Kutte und es geht wieder hinein in den hölzernen Theatersaal, den mehr als hundert Tischler und Zimmermänner 35 Tage lang am Rande des Studios auf einem Industriegelände errichtet haben.

Intrigen, Inzest und

verborgene Identitäten

Es ist ohne Zweifel ein imposantes Set. Einen Durchmesser ...

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