Kundenbindung mit der Church-Card

Benedikt Sommer

Von Benedikt Sommer

Mo, 20. Mai 2019

Freiamt

Das Evangelisch Oberrheinische Kirchenkabarett begeistert in Keppenbach mit einem etwas anderen Blick auf die Kirche.

FREIAMT-KEPPENBACH. Zu einem "interaktiven Workshop mit den drei Damen vom Evangelisch Oberrheinischen Kirchenkabarett" luden am vergangenen Freitag der Frauenkreis und die Kirchengemeinde Keppenbach ein. Gut 60 Besucherinnen und Besucher genossen den etwas anderen Blick auf ihre Kirche.

Was ist gegen den Leerstand kirchlicher Immobilien am Sonntagvormittag zu tun, wie lässt sich die vom Arbeits- und Freizeitstress gebundene Öffentlichkeit wieder für Kirche begeistern? Die "drei Damen" vom EOK greifen für ihre Antworten während ihres 90-minütigen Programms tief in die Kiste des Marketings. Genauer in die der Unternehmensberatung, des Workshops, mit allen bekannten Zutaten, wie dem Whiteboard und den Vornamen auf Kreppklebestreifen. Evangelisch operatives Kirchenmarketing eben.

Zur Absatzsteigerung des Produkts ("die Bibel") gibt es für die Freiämterinnen und Freiämter eine Einführung in die Grundbegriffe des Fachs. "Ein Neukunde besucht zum ersten Mal einen Gottesdienst, der ist doch ohne Packungsbeilage und Gebrauchsanweisung völlig aufgeschmissen", meint eine der drei Frauen, und schon weist Claudia Zoller mit sonorer Stimme als Kirchenstewardess in die Abläufe ein ("bitte legen sie das Gesangbuch nach dem Gottesdienst wieder zurück, es ist kein Werbegeschenk").

Bei P wie Produkt, es gilt die sieben P des Marketing-Mixes abzuarbeiten, gibt Claudia Zoller als "Multitaskingperle im Pfarramt", der "Glaubensgebühren-Einzugs-Zentrale", Tipps, was aus einem normalen Traugottesdienst so alles an Barem herauszuholen ist. Von der "Standardansprache" über die "Gebäudebereitstellungskosten" bis zum All Inclusive-Angebot "Trauung XXL". P wie Promotion gibt Anlass zu einem Ausflug in die Werbung. Von echten Slogans wie "Walk like Jesus" bis zur Produktplatzierung im Gottesdienst. ("Das Brot für das heutige Abendmahl lieferte die Bäckerei Billhartz, den 2005 Chardonnay das Weingut Jägle").

Um Kunden an Land zu ziehen, könne man ruhig etwas Leckeres an den Haken hängen, meint Rudolph: "Christus, die zarteste Versuchung, seit es Erlösung gibt". Lustiger wird es mit der "Churchcard", dem wichtigsten Instrument der Kundenbindung. Bronze-Status gibt’s schon bei drei Besuchen jährlich, "Gold" bei 25. Dafür gibt’s eine Decke, den Logenplatz in der VIP-Lounge, Abendmahl am Platz, und am Geburtstag den Posaunenchor im Wohnzimmer.

Dazwischen immer mal wieder ein Lied, mit der Drehorgel begleitet. Klassiker wie "Berliner Luft" oder Margot Werners "So ein Mann, so ein Mann", mit umgedichteten Texten wie etwa "Ich brauch nur Kirchenluft zu wittern, da beginn ich schon zu zittern, (…) denn nach Männern in Talaren, sehne ich mich schon seit Jahren".

Auslöser für dieses evangelisch-kreative Aufbegehren waren laut Monika Rudolph eigene Erfahrungen im Ehrenamt. Der Kirchengemeinderätin und Prädikantin in Kenzingen scheint das alles irgendwann einmal zuviel geworden zu sein und so schrieb sie sich ihren Frust mit einer kleinen Moritat vom Ehrenamt von der Seele. Im Gesprächskreis der "Anonymen Ehrenamtlichen" gibt’s Hilfe für das Neinsagen gegen die "Rekrutierung" und auch eine Ehrung darf natürlich nicht fehlen. Im richtigen, salbungsvollen Ton verkauft, wird auch aus dem überreichten "grünen Lorbeerblatt an der hölzernen Klammer" eine Auszeichnung.

In der Schauspielerin Cornelia Schmidt und der Hauswirtschaftlerin Claudia Zoller fand Rudolph begeisterte Mitstreiterinnen, beziehungsweise habe sie sie einfach rekrutiert, so Rudolph. Seit November 2015 tritt das Trio nun als "Evangelisch Oberrheinisches Kirchenkabarett" auf. 44 Auftritte habe man inzwischen absolviert, berichtet Claudia Zoller in der Pause, in Kirchen und Gemeindehäusern im ganzen Gebiet der badischen Landeskirche. Es mache sehr viel Spaß, meint sie. Das sah das Publikum genauso, und applaudiert am Ende lang und begeistert.