Aus der Liebe wurde Ernst

Katja Rußhardt

Von Katja Rußhardt

So, 16. Juni 2019

Riegel

Der Sonntag Die Kunsthalle Messmer feiert ihr zehnjähriges Bestehen – Schwierige Standortsuche.

Andy Warhol, Chagall, Dali, Picasso – sie alle waren in der Kunsthalle Messmer zu sehen, die nun ihr zehnjähriges Jubiläum feiert. Jürgen Messmer blickt zurück auf bewegte Jahre.

Mit einem Laster ist die 7,1 Tonnen schwere Skulptur gerade angeliefert worden: Globo Uovo, ein riesiges Ei, entstanden aus einem massiven Block Carrara- Marmor. Marc Reist beobachtet die Ankunft seines Werks zusammen mit Kunsthallen-Chef Jürgen Messmer. "Drei Monate habe ich im Inneren des Eis an den Durchbrüchen gearbeitet, die Längen- und Breitengrade darstellen sollen. Um hineinsteigen zu können, musste ich zuerst 13 Kilo abnehmen", erinnert sich der Schweizer Bildhauer und Maler amüsiert. Die Urform allen Lebens und die Verbindung zwischen Erde und Ei habe er darstellen wollen.

"Es beginnt mit einer Liebe und dann wird es manchmal Ernst", sagt Marc Reist über die Kunst und liefert damit eine Vorlage für Jürgen Messmer, der bereits in den 1970er Jahren mit dem Sammeln von Werken des Künstlers Victor Vasarely anfing. Damals besaß er in Emmendingen noch eine Firma, die sich auf Schreibgeräte-Design für Werbezwecke spezialisiert hatte. "Auch dort habe ich schon zweimal jährlich Ausstellungen gemacht, beispielsweise mit Werken von Jakob Bill." Eine alte Villa in Herdern wird ihm irgendwann angeboten. Zu klein sei sie als Galerie gewesen, sagt er und erzählt, dass er bis zum Verkauf seines Unternehmens vor 13 Jahren nicht ernsthaft an eine Kunsthalle gedacht habe. Seine Tochter war damals verstorben, Erben gab es keine. "Der Verkauf ist mir sehr schwer gefallen, aber ich hatte danach Geld, um meinen Traum zu realisieren", sagt er. Genaue Pläne hatte er schon im Kopf, seine künftige Kunsthalle schon "gedanklich durchwandert", als er vor Freiburgs Bürgermeister Dieter Salomon sitzt und ihm seine Idee erläutert: Bis zu zwei Millionen Euro will Messmer in den Bau einer Kunsthalle investieren – vorausgesetzt, die Stadt hat Interesse und steuert ein Grundstück bei. Grundstock der Ausstellung sollen seine 1978 erworbenen Werke aus dem Nachlass des Schweizer Künstlers André Evard sein, der befreundete Kunsthistoriker Roland Doschka soll als künstlerischer Leiter und gut vernetzter Kunstexperte für hochkarätige Ausstellungen sorgen.

Was nun folgt, hat Jürgen Messmer in Form von Zeitungsartikeln in einem dicken Ordner archiviert, aber lange nicht mehr durchgeblättert. "Das ist vorbei. Ich habe es abgehakt", sagt er und blickt doch noch einmal auf einen Beitrag von 2008. Die Schlagzeile: "Bei nur vier Gegenstimmen aus den Reihen der Unabhängigen Listen und einer Enthaltung genehmigte der Freiburger Gemeinderat grundsätzlich die Überlassung eines 900 Quadratmeter großen Grundstücks für einen symbolischen Erbpachtzins von jährlich einem Euro an den ehemaligen Unternehmer und Kunstliebhaber Jürgen A. Messmer zum Bau einer Kunsthalle."

Durchgewinkt, aber noch lange nicht realisiert: Zwischen der "Aral"-Tankstelle an der Leo-Wohleb-Straße und der Dreisam, in direktem Anschluss an das bestehende Gebäude der Wodanhalle, wird es durch nun folgende Proteste keine Kunsthalle geben. "Salomon stand bis zuletzt zu 100 Prozent hinter mir, ich kann mich aber noch gut an eine Podiumsdiskussion im Morath-Institut erinnern, in dem mehr als 400 Leute waren und nur Gegner von mir", blickt Messmer zurück. Die Argumente: Man habe genug Kunst in der Stadt, und es sei unverständlich, warum jemand mit Werken eines weitgehend unbekannten Künstlers eine Kunsthalle installieren wolle.

"Ich wundere mich, dass ich da so lange mitgemacht habe", erklärt Messmer. "Ich hätte sowieso sagen sollen, dass das nicht der richtige Platz ist. Es gab noch nicht einmal die Möglichkeit, eine Haltebucht für Busse und Autos zu realisieren." Lang sei das her und er mittlerweile in Riegel glücklich, auch wenn er in Freiburg sicher die doppelte Besucherzahl haben würde. 30 Ausstellungen gab es seit Öffnung der Kunsthalle, die Besucherzahlen schwankten zwischen 10 000 und 40 000 bei "großen Namen" wie Chagall. "Um auf null zu kommen, müssten wir 70 000 Besucher haben. Auch Kollegen sagen, dass eine Übersättigung spürbar ist, man sich viel einfallen lassen muss", weiß Messmer, der seit 2003 auch eine der Kunsthalle thematisch angegliederte Galerie betreibt, deren Kunst man kaufen kann. Durch die nahe Autobahn profitiere man auch von Touristen, die für einen Ausstellungsbesuch Stopps einlegen.

Ab 20. Juni werden sie die Jubiläumsausstellung sehen können. Wie die allererste anno 2009 ist ihr Fokus auf André Evard gerichtet, den Messmer gegen Skeptiker bis heute vehement verteidigt. "Man muss ihn einfach kennenlernen", argumentiert der Mann, der ungern Kompromisse macht. Und der sich ein Leben ohne Kunsthalle gar nicht mehr vorstellen kann.
10 Jahre Kunsthalle Messmer – Ein Leben für die Kunst. Bis zum 15. September in der Kunsthalle Messmer, Großherzog-Leopold-Platz 1, Riegel. Vernissage: Donnerstag, 20. Juni, 11.30 Uhr. Informationen auf http://www.kunsthallemessmer.de