Realismus und Abstraktion

Der holländische Künstler Jan van der Pol stellt in Freiburg aus

Herbert M. Hurka

Von Herbert M. Hurka

Sa, 27. April 2019

Kunst

Jan van der Pol lässt bei seiner Ausstellung im Freiburger Morat-Institut realistische Motive auf radikale Abstraktion prallen.

Mit dem französischen Titel "Cacophonie intérieure" überschreibt der holländische Künstler Jan van der Pol seine Ausstellung im Freiburger Morat-Institut. Dieser innere Missklang übersetzt sich in kombinierte Bilder mit einem realistischen Motiv, an das sich eine radikale Abstraktion aus der Konkreten Kunst anfügt – oder umgekehrt.

Die Diskrepanz vertieft sich, wenn die oft apokalyptischen Motive mit spielerisch-ornamentalen Gittern und Streifen kollidieren. Denn zwischen den beiden autonomen, auf dem Tableau klar gegen einander abgegrenzten Bildern entsteht keine Beziehung. Noch weniger lässt sich eine Geschichte daraus ableiten. Vor allem auch darum, weil in dieser besonderen Kombinatorik geradezu aufrüttelnde Botschaften auf ein Kunstgenre treffen, das jede Sinngebung außerhalb seiner selbst explizit verweigert.

Auch richten sich die rechteckigen Flächen nach den übersichtlichen Schemata der Konkreten Kunst. Nur füllen sich ihre leeren Felder jetzt mit brisanten Inhalten wie einer kaputten urbanen Randzone oder einer schwarzen Stadtsilhouette, über der Hochspannungsleitungen und ein Militärhubschrauber sich zu einer dystopischen Kulisse verdichten.

Zu solchen Szenarien inspirieren den Künstler oft Zeitungsfotos. Ein heftiger Pinselduktus signalisiert ein rückhaltloses Bekenntnis zur Malerei mit der Nebenwirkung, dass der grobe Farbauftrag der glatten Foto-Ästhetik entgegen wirkt, um eine zu perfektionistische Darstellung der destruktiven Seite der Zivilisation zu unterbinden. Dieses apokalyptische Moment unterstreicht zusätzlich die Dominanz der Nichtfarbe Schwarz, die als undurchdringliche Fläche ein Bild umgibt oder einen Bildinhalt verdunkelt.

Die Fusion aus realistischen und abstrakten je in sich geschlossenen Bildern auf einem gemeinsamen Tableau zeigt vor allem eins: Ein Bild ist nie allein zu haben, sondern bleibt stets in einen Kontext eingebettet, der – Zeichen der Zeit – aus nichts anderem besteht als wieder aus Bildern. Und doch belegen die Arbeiten, dass Malerei immer wieder Mittel und Wege findet, sich neben der technischen Hypervisualisierung der Umwelt zu behaupten. Auch Darstellungen, die solitär funktionieren wie "Zerc Plek IV" mit einem MP-Bewaffneten vor einer trostlosen Gefängnismauer oder einem roten Labyrinth feinst gezeichneter Linien, integrieren sich schlüssig in die um eine Sammlung afrikanischer Skulpturen bereicherte Ausstellung.

Morat-Institut, Lörracher Straße 31. Bis 18. Mai, samstags 11- 18 Uhr.