Liniengebilde und Stahldrahtgespinste

Hans-Dieter Fronz

Von Hans-Dieter Fronz

Mi, 12. Juni 2019

Kunst

Der Modo Verlag in Freiburg zeigt Radierungen und Stahlplastiken von Markus Daum.

Köpfe? Die sind nicht unbedingt erkennbar, jedenfalls nicht auf jedem einzelnen Blatt. Die "9 Köpfe für 9 Bildhauer" von Markus Daum im Freiburger Modo Verlag gingen zweifelsfrei auch als Serie von Abstraktionen durch, wiewohl mit moderaten Anklängen ans Figürliche. Nur bei wenigen Radierungen ist die durch den Titel geweckte Assoziation zwingend. Einer der meist annähernd blattfüllenden Köpfe wirkt wie ein von hinten gesehener, glatt geschorener Schädel mit Stiernacken. Selbst hier freilich irritieren die im Unterschied zu den schwarzen Umrisslinien zartgrauen, fleckenartigen Setzungen, mit denen dieser Hinterkopf übersät ist. In ihrer Anordnung, Dichte und Gestalt modellieren sie den Kopf ein Stück weit, verleihen ihm eine gewisse Plastizität.

Andere Köpfe bilden sich aus schwungvollen oder auch krakeligen feinen Linien, die sich im ersten Blatt zu einem wahren Liniengewirr summieren. Dieses und weitere radierte Liniengebilde haben ein Pendant in denen einer Serie von plastischen "Köpfen" (so der Titel der Serie) aus Stahldraht. Diese Köpfe wirken gleichzeitig filigran zerbrechlich und widerständig robust, während in einer reliefartigen "Maske" an der Wand die komplexen, feinen Stahlgespinste auf wenige markante Linien reduziert sind – passend zur schablonenartigen Verkürzung des Gesichts in einer Maske.

Sind diese auf und über einem Tisch versammelten Stahlplastiken (eine hängt von der Decke herab) deutlich überkopfgroß, so stößt eine weitere Stahldrahtplastik in eine neue Größendimension vor. Doch ist sie sichtlich nicht als Kopf angelegt. Von den Köpfen in Stahldraht unterscheidet sie sich auch in der "stacheligen" Anmutung. Nichtsdestoweniger (oder vielleicht gerade deshalb?) hat sie den Titel "Touch me". Eine zweischneidige Einladung...

Markus Daum, der Künstler, 1959 in Säckingen geboren, lebt heute in Radolfzell und Berlin. Der Schüler von Alfred Hrdlicka ist wohl doch in erster Linie Bildhauer. Doch fiele es schwer zu sagen, ob er als solcher stärker ist oder als (Druck-)Grafiker. Denn die neun Tuschzeichnungen des Zyklus "Touch me" – Abstraktionen in Schwarzweiß mit ganz wenig Farbe – gefallen ausnehmend gut. Einige greifen die igelartige Widerborstigkeit besagter Stahlplastik auf. Andere gefallen sich in einer organischen Formensprache. Oder bringen in Parallelführungen so etwas wie Systematik in die schöne lineare Unordnung.

Modo Verlag, Terlanerstr. 8, Freiburg. Bis 26. Juli, Mo bis Do 10–16.30 Uhr, Fr 10–13 Uhr.