Fire Station

Vitra in Weil ermöglicht einen Blick in Wohnwelten des Jahres 2035

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Do, 13. Juni 2019 um 20:00 Uhr

Weil am Rhein

Mit Virgil Abloh ist ein angesagtester Designer Gast in der Fire Station auf dem Weiler Vitra Campus. Bei der Vitra Campus Nacht erklingt auch ein DJ-Set von ihm.

Lange Schlangen bildeten sich am Mittwochabend vor der Fire Station von Zaha Hadid auf dem Weiler Vitra Campus. Die Aufmerksamkeit des internationalen Design- und Kunstpublikums galt einem der angesagtesten und gefragtesten Designer dieser Tage: dem US-Amerikaner Virgil Abloh, der in Kooperation mit Vitra die Installation "Twentythirtyfive" im avantgardistischen Feuerwehrhaus aufgebaut hat.

Was hinter diesem Titel steckt und welche Ideen und Projekte er verfolgt, verriet der aus Illinois stammende 38-Jährige im Eröffnungs-Talk mit Vitra-Chefin Nora Fehlbaum. In diesem Gespräch kristallisierte sich heraus, was auch in der Ausstellung sichtbar wird: Abloh, der in seiner Heimat Ingenieurwesen und Architektur studiert hat, ist in vielen Sparten höchst erfolgreich unterwegs – als Entwerfer von Möbeln, Alltagsgegenständen und Mode, als Gründer und Creative Director seines eigenen Streetware-Labels "Off White", als Künstler, als DJ, seit neuestem auch als Designer der Männerkollektion von Louis Vuitton und Hochschuldozent.

Er spürt dem Zeitgeist nach

Abloh liebt es, in diesen unterschiedlichsten Kreativdisziplinen zu arbeiten, die Genres zu mischen, eine Brücke zu schlagen zwischen den Generationen, der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Er spürt dem Lebensgefühl und der Lebenswelt der jungen Generation nach, dem Zeitgeist und den gesellschaftlichen Strömungen, lässt sich aber auch von Design-Klassikern aus der Geschichte inspirieren und interpretiert diese neu. Der Allround-Künstler, den das Time Magazine 2018 zu den 100 einflussreichsten Leuten zählte und der gerade eine Ausstellung im Museum of Contemporary Art in Chicago hat, gilt auch als Meister des Sampelns und der Zitate.

Für Vitra hat Abloh nun eine Kollektion von drei limitierten Produkten entworfen, die in der Ausstellung vorgestellt werden: der Stuhl Antony, in dem er einen Entwurf von Jean Prouvé aus den 1950er Jahren in einer neuen eigenen Version in orangefarbenem Lack und transparenter Sitzfläche aufgreift, die Lampe "Petite Potence", die von einer Leuchte von Jean Prouvé inspiriert ist, sowie 999 ziegelsteinähnliche Stücke unter dem Titel "Ceramic Block".

Erinnerungen an die eigene Jugend

Persönliche Bezüge und Erinnerungen prägen die Ausstellung von Abloh in der Fire Station, die in zwei Parts aufgeteilt ist. Zum einen präsentiert sie scheinbar lose zusammengewürfelte Möbelstücke, Gegenstände, Haushaltsstücke, Objekte, die Abloh mit seiner eigenen Biografie, seiner Jugendzeit, seinem Wohnumfeld, aber auch mit Klassikern der Designgeschichte von Jean Prouvé oder Charles und Ray Eames verbindet. Diese werden teils original, teils verfremdet in die Installation integriert. In dieser Ansammlung von Mobiliar sieht man einen Teppich, einen durchsichtigen Tisch, Stühle in grellem Orange, eine Spüle, Schrank, Leuchten, eine Wand voller Werkzeuge.

Von der Erinnerung an die eigene Jugend, von Backsteinhäusern in seiner Nachbarschaft angeregt sind die backsteinartigen Teile. So entsteht in Ablohs Installation eine Art Wohnraum, das Jugendzimmer eines fiktiven Teenagers im Jahr 2019.
Die Ausstellung von Virgil Abloh in der Vitra Fire Station ist bis 31. Juli zu sehen.

Im anderen Teil gibt er Einblick in den futuristischen Wohn- und Arbeitsraum des nun erwachsen gewordenen Protagonisten im Jahr 2035 – darauf spielt der Titel "Twentythirtyfive" an. Erinnerungen, Einflüsse aus der Vergangenheit, aus dem eigenen Leben, aus der klassischen Designwelt, aus dem Lifestyle und den Lebensentwürfen heutiger Jugendlicher, das alles verknüpft Abloh in dieser experimentellen Installation. Aus all diesen Entwürfen und Objekten, aus den Neudeutungen von Designklassikern, aus der Vielfalt an Materialien, Farben, Formen kreiert Abloh eine ganz eigene Designsprache, "eine neue Welt", wie es Nora Fehlbaum im Talk mit dem Designer ausdrückte.

Nach dem Eröffnungsgespräch und dem Rundgang durch die Ausstellung strömten die Design- und Kunstfans auf das weitläufige Vitra Gelände, wo sich zur Vitra Sommer Campus Party bei Cocktails, Köstlichkeiten und DJ-Klängen von Virgil Abloh ein Publikum aus aller Welt zusammen fand.