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Wie die Nazis 1938 die Kunstschätze jüdischer Bürger raubten

Christa Sigg

Von Christa Sigg

Di, 20. Dezember 2016

Kunst

Wie es dazu kam, erklärt der Historiker Jan Schleusener, der ein Buch darüber verfasst hat, im Gespräch mit Christa Sigg.

Mit der "Reichskristallnacht" fielen alle Hemmungen. Vor allem in München: Kurz nach dem Pogrom im November 1938 konfiszierte die Geheime Staatspolizei in 69 jüdischen Haushalten rund 2500 Kulturgüter. Damit war eine der größten Kunstraubaktionen der Nazis eingeleitet – mit tatkräftiger Unterstützung von Kunsthändlern und Museumsfachleuten.

BZ: Im Münchner Stadtmuseum wurde 2007 bei Renovierungsarbeiten ein Ordner mit ausgiebigem Material zum Kunstraub der Nazis gefunden. Hat das die Sicht noch einmal verändert?
Schleusener: Der Fund hat die Aufarbeitung stark befördert. Er ist deshalb so interessant, weil er etwas über das Agieren der Kunstraubakteure aussagt. Anhand von Protokollen kann man sehr genau sehen, was beschlagnahmt wurde.

BZ: Der Kunsthändler Otto Bernheimer erwähnt 1957 in seiner Autobiografie, dass während seiner KZ-Haft in Dachau die Wohnung leergeräumt wurde. Und er nennt sogar Namen.
Schleusener: Bernheimers "Erinnerungen eines alten Münchners" waren meines Wissens nach nicht regulär veröffentlicht und eher für Familie und Freunde geschrieben. Aber da ist schon sehr genau zu lesen, dass die "Gestapo unter der Führung des Kommissars Gerum und verschiedener Museumsdirektoren" sein Haus ausgeräumt und "wertvolle Sachen ins Nationalmuseum" gebracht hätten.

BZ: Bernheimer war nicht nur in München ein bekannter Mann. Solche Aufzeichnungen müssen ...

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