Kunst

Das Kunstmuseum Bern zeigt eine Retrospektive zum 70. Geburtstag von Miriam Cahn

Hans-Dieter Fronz

Von Hans-Dieter Fronz

Fr, 22. Februar 2019

Schweiz

Das Kunstmuseum Bern zeigt Retrospektive zum 70. Geburtstag von Miriam Cahn.

Sind es Wesen aus Fleisch und Blut? Geister? Oder nur Halluzinationen? Irgendwie sind die Figuren der Malereien von Miriam Cahn nicht zu fassen. Eher fühlt man sich von ihnen erfasst. Aus dem Bild heraus schauen sie einen an: eindringlich, durchdringend. Der Bildbetrachter einmal nicht der Voyeur wie für gewöhnlich, sondern selbst Objekt der Betrachtung. Man fühlt sich nackt vor den Bildern der Schweizerin. In diesem Jahr wird sie 70. Die gestern eröffnete Retrospektive im Kunstmuseum Bern ist die erste von drei Stationen, das Münchner Haus der Kunst und das Museum für Moderne Kunst in Warschau sind die weiteren.

1984 vertrat Cahn die Schweiz auf der Biennale; 2017 nahm sie an der Documenta 14 in Kassel und Athen teil. Als Zeichnerin hatte sie begonnen. Erst mit Mitte 30 wandte sie sich der Malerei zu. Und malte fortan in leuchtenden Farben in Öl, Pastell und Aquarell. Miriam Cahn galt immer auch als politische Künstlerin. Als junge Frau arbeitete sie in der Anti-Akw- und der Frauenbewegung. In der Flüchtlingskrise war sie Mahnerin zur Menschlichkeit. "Ich als Mensch" – im Titel der Berner Schau klingt die Frage nach dem Wesen des Menschlichen ebenso an wie das Bekenntnis zu humanistischen Prinzipien. Wichtige Themen sind zugleich Sexualität und das Geschlechterverhältnis.

Vor etwas mehr als zehn Jahren war es still geworden um die im Bergell lebende Künstlerin. Eine Ausstellung in Paris 2014 war dann der Auftakt zu einer Art Renaissance. Deren Höhepunkt ist der Ausstellungsreigen im Jubiläumsjahr. Neben den drei Stationen der Retrospektive gehören Auftritte im Kunsthaus Bregenz im Frühling sowie in der Reina Sofia in Madrid im Sommer dazu.

Termine: Kunstmuseum Bern, Hodlerstr. 12. Bis 16. Juni, Di 10–21 Uhr, Mi bis So 10–17 Uhr