Abstandhalten im ÖPNV

Lahr bekommt weitere Schulbusse

Mark Alexander

Von Mark Alexander

Fr, 23. Oktober 2020 um 06:45 Uhr

Lahr

Der Wunsch vieler Eltern wird erfüllt: Nach den Herbstferien soll es aufgrund neuer Förderrichtlinien zusätzliche Fahrzeuge geben.

Auch für Lahrer Schüler sind in Corona-Zeiten zusätzliche Busse in Aussicht. Das Land Baden-Württemberg hat in dieser Woche seine Förderrichtlinien gelockert. Darauf wollen Stadt und SWEG jetzt reagieren. Nach den Herbstferien sollen sogenannte Verstärkerbusse fahren, damit die Schüler den Sicherheitsabstand in den Fahrzeugen besser einhalten können.
Die Corona-Zahlen steigen, vor allem an Schulen werden viele Fälle gemeldet. Das beunruhigt Eltern, deren Kinder mit dem Bus zur Schule fahren. Dort gilt zwar Maskenpflicht, allerdings kann kaum Abstand gehalten werden (die BZ hat berichtet). Jetzt gibt es für Lahrer Schüler und Eltern Licht am Ende des Tunnels. Denn die hohe Hürde der Förderrichtlinie des Landes wurde am Dienstag gesenkt (siehe Info-Kasten).

Darauf reagiert nun auch die Stadt Lahr. "Aufgrund der neuen Förderrichtlinien besteht nun die Möglichkeit, Verstärkerbusse einzusetzen, wenn mehr als 13 Stehplätze belegt sind und damit nur noch 48 Schüler im Bus sind", teilt die städtische Pressesprecherin Ulrike Karl auf BZ-Anfrage mit. "Deshalb ist geplant, nach den Herbstferien Verstärkerbusse einzusetzen." Zumindest die stark frequentierte Linie 106 zwischen dem Schuttertal und Lahr solle Verstärkung bekommen. Die Stadt sei diesbezüglich in Gesprächen mit der Südwestdeutschen Landesverkehrs-AG (SWEG).

Das Verkehrsunternehmen hatte Anfang Oktober noch mitgeteilt, dass die Busse nicht überfüllt seien. Aufgrund der neuen Regelung würden die Fahrgastzahlen nun überprüft, teilt Pressesprecher Christoph Meichsner mit. "Diese Prüfung geschieht auch bei den Buslinien aus dem Schuttertal nach Lahr, wobei nach den neuen Regularien sicherlich ein weiterer Fahrzeugeinsatz notwendig werden wird." Wie dies genau aussehen kann, werde die SWEG mit dem Ortenaukreis besprechen und koordinieren.

Busse aus dem Schuttertal sind besser abgestimmt

"Nach den bisher geltenden Kriterien waren die Busse im Schuttertal noch nicht überfüllt", so Meichsner. Die Beobachtungen des Personals haben allerdings ergeben, dass die ersten Busse generell zu stark frequentiert waren und die direkt nachfolgenden Fahrzeuge noch über Kapazitäten verfügten. Daher sei festgelegt worden, dass die morgendlichen Busse aus dem Schuttertal ihre Abfahrten in Richtung Lahr noch besser aufeinander abstimmen. So sollen sich die Fahrgäste besser verteilen.

In anderen Kommunen im Kreis fahren bereits sogenannte Verstärkerbusse. Wie das Landratsamt berichtet, sind sie seit Mittwoch beispielsweise in Ettenheim, Rust und Kappel-Grafenhausen sowie im Kinzig-, Gutach- und Harmersbachtal unterwegs, ebenso im Raum Kehl und Renchen. "Auf weiteren stark ausgelastete Verbindungen wurden Fahrgastzahlen erhoben, um bei Erreichen der Vorgaben des Landes unmittelbar weitere Verstärkerbusse einsetzen zu können", heißt es in einer Pressemeldung. Landrat Frank Scherer zeigte sich erfreut über die Entscheidung, die bislang "sehr hohe Hürde" abzusenken. Michael Loritz, Dezernent für Infrastrukturen, Baurecht und Migration, verweist derweil auf eine begrenzte Zahl an Bussen. Dennoch würden die Verbindungen weiterhin beobachtet.

Eltern sorgen sich vor Infektionen ihrer Kinder im ÖPNV

Für Stadtbusverkehre ist der Landkreis nicht vorrangig zuständig, heißt es in einer Pressemeldung des Kreises. Dieser unterstützte die Städte durch die Beauftragung von Verkehrsleistungen und die Realisierung der Fördermittel. Aufgabe der Stadt sei es, die Förderfähigkeit nachzuweisen. Sprich den Nachweis zu erbringen, dass die Busse überfüllt sind.

Geht es nach Eltern aus Lahr und dem Umland, dann ist dies schon lange der Fall. Die Reaktionen im Netz auf den BZ-Artikel Anfang Oktober waren eindeutig. Sie zeugten von Unverständnis. "Bei der momentanen Lage bin ich ich heilfroh, dass meine Kinder nicht mehr auf den Bus angewiesen sind", schrieb eine Leserin auf BZ-Online. "Es wird so kommen, dass viele Eltern ihre Kinder mit dem Auto fahren. Ich kann es verstehen."
Landesförderung



Bisher förderte das Land die Bestellung weiterer Schulbusse nur dann, wenn dort 100 Prozent der Sitzplätze und mehr als 40 Prozent der Stehplätze besetzt waren. Waren diese Voraussetzungen nachweislich erfüllt, wurden 80 Prozent der Kosten übernommen. Der Fördersatz wurde in dieser Woche auf 95 Prozent erhöht und soll bereits gelten, wenn in normalen Linienbussen die Sitzplätze regelmäßig nicht ausreichen. Bei Niederflurbussen mit geringer Sitzplatzzahl werden Zusatzbusse gefördert, wenn mehr als 20 Prozent der zulässigen Stehplätze regelmäßig belegt sind. Das Programm soll bis Jahresende laufen. Der Städtetag begrüßt diese Entscheidung. Gleichzeitig wird darauf verwiesen, dass vor Ort Schulanfangszeiten und Schülerverkehre besser aufeinander abgestimmt werden müssen.