Land beteiligt sich am Bahnanschluss

Michael Baas

Von Michael Baas

Sa, 21. September 2019

Südwest

Schweiz und Frankreich forcieren Großprojekt am Euroairport.

Die Bahnanbindung des Euroairports wird seit 20 Jahren diskutiert. Nun wird das Vorhaben konkret. Auf Schweizer Seite ist es seit Juni finanziert. Jetzt sendet auch das Land ein klares Signal. "Wir sind bereit, das Projekt mit einem Interessenbeitrag zu unterstützen", betont der Amtschef des Verkehrsministeriums, Uwe Lahl, im BZ-Interview.

Damit stellt sich das Land unmissverständlich hinter die 2009 vom früheren Ministerpräsidenten Günther Oettinger (CDU) erstmals in Aussicht gestellte Beteiligung. Auf den damals genannten Betrag von zehn Millionen Euro will sich Lahl aber nicht festlegen. Dazu sei es zu früh. Angesichts des Bedarfs, Verkehr klimafreundlicher zu gestalten, sei es aber keine Frage mehr, dass sich das Land beteilige, auch wenn das Projekt primär schweizerischen und französischen Interessen diene. Die von dort forcierte Schienenanbindung soll den Flughafen (EAP) durch einen sechs Kilometer langen Bypass in Saint-Louis an die Bahnlinie zwischen Basel, Mulhouse und Straßburg anbinden. Von der Idee, auch TGV-Züge am EAP halten zu lassen, sind die Initiatoren aber abgerückt. Dennoch soll der Anschluss mehr werden als ein Haltepunkt im Regionalverkehr. Langfristig kreuzen sich dort laut des Konzeptes der trinationalen S-Bahn Basel je sechs Verbindungen pro Stunde in beide Richtungen, also Basel wie Mulhouse, und machen den EAP zum Scharnier im grenzüberschreitenden Regionalverkehr. Auch eine Linie aus Südbaden soll langfristig in das Netz eingebunden und via Basel zum EAP geführt werden, und zwar die auf der Oberrheinstrecke gen Freiburg und Offenburg.

Konzipiert wird der Bahnanschluss für ein Einzugsgebiet im Radius von bis zu 150 Kilometern. Das Flughafenmanagement sieht darin keinen Hebel, das stetig wachsende Passagieraufkommen von derzeit rund neun Millionen Fluggästen im Jahr weiter zu steigern. Vielmehr gehe es vor allem um Verkehrsverlagerung. Rund ein Drittel des heute auf der Straße abgewickelten Anfahrtsverkehrs lasse sich mit dem Anschluss auf die Bahn verlagern, lautet die These. Daraus ermittelt eine Verkehrsstudie einen sozioökonomischen Kapitalwert – das Verhältnis von Nutzen und Kosten im Zeitfenster von 50 Jahren – von 500 Millionen Euro.

Auf der Kostenseite steht nicht zuletzt die Investition in die Bahninfrastruktur. Diese wurde 2017 auf netto 250 Millionen Euro beziffert. Verfahrensmäßig wird derzeit die Dokumentation der zweiten Mitwirkungsphase für die französische Umweltbehörde erarbeitet. In Streitpunkten wie der in Saint-Louis gewünschten Überbrückung eines im Bereich der Trasse liegenden Entwicklungsgebietes bahnen sich Lösungen an. Ende 2021 soll es den Planfeststellungsbeschluss geben, die Inbetriebnahme Ende der 20er Jahre.