Erinnerung an Flut

Land unter in Sachsen

Bernhard Honnigfort

Von Bernhard Honnigfort

Sa, 11. August 2012

Deutschland

Vor zehn Jahren versanken große Teile Sachsens in der Jahrhundertflut – und der Schock steckt vielen Betroffenen bis heute in den Gliedern.

Eva Beckert kann sich noch sehr genau an alles erinnern, an die zwei Tage im Treppenhaus, an die Angst, das Haus könnte über ihr einstürzen. Aber sie will es nicht. Es ist vorbei, sie hat es überlebt. "Bloß nicht daran denken", sagt die 76-Jährige. "Es wühlt nur alles wieder hoch." Eva Beckert wohnt in Glashütte, der hübschen Uhrenstadt im Erzgebirge. Ihr Haus in der Hauptstraße ist renoviert, neue helle Farben, neue Fenster, eine neue Tür. "Es ist gut, dass es lange vorbei ist."

Vor zehn Jahren hatte sich über Sachsen, Tschechien, Polen und Österreich eine Schlechtwetterfront gigantischen Ausmaßes zusammengebraut. Es regnete drei Tage wie aus Kübeln. "Unwetterartige Regenfälle" hatten die Meteorologen angekündigt. Was folgte, war die größte Naturkatastrophe in Sachsen seit Menschengedenken. In Orten wie Zinnwald fielen mehr als 300 Liter Regen pro Tag und Quadratmeter. Oberhalb von Glashütte brach ein Rückhaltebecken. Die Priesnitz ist normalerweise ein Bächlein, in Stunden verhundertfachte sich die Wassermenge. Der Fluss raste als Schlammlawine durch Glashütte, schob Autos und Baucontainer vor sich her, sägte die kleine Stadt mittendurch. Das Wasser untergrub das Haus von Eva Beckert, legte die Grundmauern frei. Die Rentnerin rettete sich ins Obergeschoss, während sich unten alles in einen braunen stinkenden Whirlpool verwandelte. "Es rauschte wie auf hoher See", erinnert ...

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