Leichtathletik

Christina Obergföll bekommt in Offenburg nachträglich eine olympische Silbermedaille

Andreas Strepenick

Von Andreas Strepenick

So, 11. August 2019 um 22:30 Uhr

Leichtathletik

Die ehemalige Speerwerferin Christina Obergföll wird in Offenburg geehrt. DOSB-Präsident Alfons Hörmann will ihr nachträglich Silber überreichen. Ihre Konkurrentin war gedopt.

Die Geschichte der Leichtathletik wird in Teilen neu geschrieben. Je mehr Sportler – aktive und ehemalige – nachträglich positiv auf Doping getestet und dabei zweifelsfrei überführt werden, desto mehr Erfolge werden ihnen aberkannt. Verliert eine Athletin, ein Athlet eine Medaille bei internationalen Großereignissen, rücken zuvor geschlagene Konkurrentinnen und Konkurrenten automatisch nach. Dies geschieht nun auch bei Christina Obergföll, der langjährigen Speerwerferin der LG Offenburg.

Drei Jahre lang hat Obergföll gewartet

Die heute 37-Jährige aus Mahlberg wird elf Jahre nach den Olympischen Sommerspielen in Peking endlich ihre Silbermedaille bekommen. Nach einer Mitteilung des Deutschen Olympischen Sportbunds wird DOSB-Präsident Alfons Hörmann ihr die Medaille am 24. August in Offenburg überreichen. Acht Jahre nach der Olympia-Entscheidung hatte das Internationale Olympische Komitee (IOC) bei Nachtests der Olympia-Proben entschieden, die in Peking zweitplatzierte Russin Maria Abakumowa wegen Dopings zu disqualifizieren.

Damit rückte Obergföll schon im Jahr 2016 vom dritten auf den zweiten Platz der olympischen Speerwurf-Konkurrenz vor. Abakumowa war die Einnahme der verbotenen Substanz Dehydrochlormethyltestosteron nachgewiesen worden. 2011 hatte die Russin in Daegu den WM-Titel geholt, Obergföll verpasste damals als Vierte eine Medaille. 2013 wurde die Mahlbergerin dann Weltmeisterin in Moskau.

Hat Silber nur noch einen symbolischen Wert?

Obergföll selbst misst der nachträglichen Medaillenvergabe möglicherweise keine allzu große Bedeutung mehr bei. "Es ist zu spät", hatte sie bereits nach der Bekanntgabe von Abakumovas Disqualifikation vor drei Jahren erklärt: "Es hat jetzt für mich keinen großen Mehrwert, sondern mehr einen symbolischen Wert." Obergföll hatte ihre sportliche Karriere am 3. September 2016 beim Internationalen Leichtathletik-Meeting Istaf in Berlin beendet.

"Dann – batz – war der weg." Christina Obergföll über ihren ersten Europarekord 2005
Sie gehörte über viele Jahre hinweg zu den erfolgreichsten deutschen Leichtathletinnen überhaupt. Unter ihrem Trainer Werner Daniels ging ihr Stern im Jahr 2005 bei der Weltmeisterschaft im finnischen Helsinki auf. Im zweiten Versuch warf sie auf 70,03 Meter, verbesserte sensationell den Europarekord und gewann Silber. "Dann – batz – war der einfach weg", sagte sie damals der Badischen Zeitung. 2007 verbesserte sie den Rekord auf 70,20 Meter.

Zu den Highlights ihrer Karriere gehörte der Silber-Wurf 2012 bei den Olympischen Sommerspielen in London. Vier Jahre später, bei den Spielen in Rio de Janeiro, beendete sie ihre olympische Karriere als Achte – und war in dem insgesamt wenig ruhmreichen Wettkampf damit immer noch beste Deutsche. Seither engagiert sie sich ehrenamtlich für zahlreiche Projekte, unterstützt etwa den Förderverein für krebskranke Kinder in Freiburg und ein Präventionsprojekt der Badischen Sportjugend Freiburg zur Vorbeugung vor sexualisierter Gewalt im Sport ("Sport respects your rights").