Bereit für einen Farbtupfer

Matthias Konzok

Von Matthias Konzok

Do, 13. Juni 2019

Leichtathletik (regional)

Die Bad Säckingerin Carolin Gottschalk verbessert unmittelbar vor der deutschen U-23-Meisterschaft ihren Saisonrekord im Hochsprung.

LEICHTATHLETIK. Bielefeld? Da liegt einem immer ein Dauerbrenner-Witz auf der Zunge: Gibt es doch gar nicht! Die Bielefeld-Verschwörung, nach welcher die Existenz der ostwestfälischen Großstadt scherzhaft angezweifelt wird, ist ein Klassiker. Vielleicht ist der Hochrhein ein wenig das gefühlte Bielefeld der großen, weiten Leichtathletik-Welt. Denn offenbar beginnt südlich von Freiburg für den einen oder anderen Leichtathleten "ein weißer Fleck", wie Kurt Gottschalk scherzhaft sagt. Der Leichtathletiktrainer aus Bad Säckingen hofft, dass dieser weiße Fleck am Wochenende einen Farbtupfer erhält. Um ins Bewusstsein der Leichtathletiknation zu rücken, bietet sich die deutsche U-23-Meisterschaft am Samstag und Sonntag an – nein, nicht in Bielefeld, sondern im hessischen Wetzlar. Dort "wollen wir zeigen, dass der Süden, der Hochrhein auch da ist", sagt Gottschalk mit einem verschmitzten Lachen.

Carolin Gottschalk schnuppert an der deutschen Top Zehn

Seine Zuversicht, einen Farbtupfer zu setzen, kommt nicht von ungefähr. Denn sein Schützling, Hochspringerin Carolin Gottschalk, befindet sich in bester Verfassung. In den vergangenen Wochen rief die Bad Säckingerin, die für den TSV Bayer 04 Leverkusen startet, ein konstantes Leistungsniveau ab, so auch am Pfingstmontag in der Basler Schützenmatte. Beim traditionsreichen Meeting "Susanne Meier Memorial" demonstrierte sie Nervenstärke, meisterte nach zwei Fehlversuchen über 1,77 Meter die Höhe im dritten Anlauf, ebenso über 1,79 Meter – neue Saisonbestleistung.

In der am gestrigen Mittwoch aktualisierten deutschen Jahresbestenliste wird Gottschalk auf Rang 13 geführt, jedoch mit 1,78 Meter. Mit ihrer Marke aus Basel wäre es Platz zwölf – einen Zentimeter unter den Top Zehn. Mit 1,78 m, Ende Mai bei der Regio-Meisterschaft in Wehr erzielt, ist Gottschalk für die U-23-DM gemeldet, womit sie sich im 17-köpfigen Teilnehmerfeld als Vierte einreiht.

In der Schützenmatte fehlte nicht viel und Carolin Gottschalk, die in der Schweiz mit einer Doppellizenz für den LC Basel startet, hätte ihren Rekord von 1,80 Meter geknackt. Sie riss die 1,81 m "beim dritten Mal ganz knapp", sagt ihr Trainer Kurt Gottschalk, und technisch sei sie ohnehin eine gute Hochspringerin. Bereits zwei Tage vor ihrem zweiten Platz in Basel war Carolin Gottschalk drauf und dran, ihre persönliche Bestmarke zu verbessern. Beim nationalen Sprungmeeting in Eppingen hatte sie sämtliche fünf Höhen bis 1,76 Meter fehlerfrei gewuppt, wusste mit ihrer feinen Sprungtechnik zu überzeugen. Erst bei 1,80 Meter war Endstation – Rang zwei in der U 23.

"Am Wochenende knacken wir die 1,80 Meter", ist Kurt Gottschalk überzeugt, "Carolin brennt darauf." Eine Leistung, die gleichbedeutend mit der Qualifikation für die Aktiven-DM in Berlin (3./4. August) wäre. Und ganz nebenbei würde auch der gefühlte weiße Fleck auf der Leichtathletik-Karte verschwinden.