Via Lörrach nach Valencia

Matthias Konzok

Von Matthias Konzok

Sa, 08. Juni 2019

Leichtathletik (regional)

Der Basler Ahmed El Jaddar gewinnt zum zweiten Mal nach 2017 den Lörracher Stadtlauf.

LEICHTATHLETIK. Ahmed El Jaddar tippt seinem Gegenüber erst an den linken Oberarm, dann an den rechten. So baut der Basler, als er mit seinem stets freundlichen, aufgeschlossenen Lächeln über seinen Lauf durch die Lörracher Innenstadt erzählt, eine schnelle, anschauliche Demonstration ein, wie er sich zuvor durch die Massen der 298 Läuferinnen und Läufer geschlängelt und seinen langsameren Vorderleuten mit kurzem Tippen an die Oberarme signalisiert hat, an welcher Seite sie ihm kurz Platz machen sollen.

Nun ist Schnelligkeit auch als relative Größe zu sehen, beispielsweise je nach Alter und Geschlecht. Doch absolut betrachtet sind sie beim 28. Lörracher Stadtlauf alle langsamer als El Jaddar. Der 33-jährige Marokkaner, der für den TV Riehen startet und regelmäßig bei Läufen in der Region zu den bestplatzierten Athleten zählt, ist nach 5500 Metern in 15:46,9 Minuten der Erste im Ziel und feiert beim Stadtlauf seinen zweiten Sieg nach 2017. Einige Minuten später steht er entspannt im Hebelpark, wie so viele Läuferinnen und Läufer, die verschwitzt, aber mit zufriedenem Lächeln über das Rennen plaudern.

El Jaddar genießt seinen Aufenthalt beim Stadtlauf, "es freut mich, jedes Jahr hier zu sein", das Rennen durch die Lörracher Innenstadt sei "sehr schön anzusehen". El Jaddar hat Lörrach im Blick – und Valencia im Sinn. Denn in Spanien will der TVR-Athlet im Oktober beim Halbmarathon starten, "mein Ziel sind 61 Minuten". Eine ambitionierte Leistung peilt El Jaddar an, und dies in einem ambitionierten Umfeld. Denn der Halbmarathon von Valencia trägt als nur einer von deren zehn weltweit das Gold-Prädikat des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF und somit das höchste für Straßenläufe. Bei der letztjährigen Auflage in Valencia lief der Kenianer Abraham Kiptum in 58:18 Minuten einen neuen Weltrekord. Gegenüber Jahresbeginn müsste sich El Jaddar für seine anvisierte Marke um zweieinhalb Minuten steigern, beim Halbmarathon im marokkanischen Marrakesch benötigte er 1:03.28 Stunden. So ist der Lörracher Stadtlauf für ihn eine Trainingseinheit, soll als Formaufbau dienen, integriert in sein auf Valencia ausgelegtes Programm.

Während El Jaddar im Hebelpark über Valencia spricht, steht ein paar Meter weiter Omar Tareq, ebenfalls mitten im Plausch. Der Laufenburger vom TuS Lörrach-Stetten verbuchte als Zweiter (16:20,4 min) seinen fünften Podestplatz beim sechsten Start in Lörrach. Bei den Läufen in der Region tauchen El Jaddar und Tareq bei Rennstart meist als unzertrennliches Gespann auf, das in der Regel erst in der zweiten Rennhälfte auseinanderdriftet. Diesmal aber hatte El Jaddar schon nach der einen Kilometer langen Startrunde einen kleinen Vorsprung von 1,6 Sekunden aufgebaut. "Ich bin ein bisschen schneller als Omar", sagt der Basler, der den Laufsport professionell betreibt, und auf das unterschiedliche Grundtempo verweist. Die Runden zwei bis vier über je 1,5 Kilometer absolvierte El Jaddar in beeindruckendem Rhythmus (4:19 min, 4:21, 4:21), wobei Tareq dem nur bedingt nachstand. Der Laufenburger konnte einzig nach dem zweiten Durchlauf (4:25) das Tempo nicht mehr ganz auf diesem Niveau halten (4:34, 4:33).

El Jaddar vor Omar Tareq – und mit neuem Streckenrekord

Dem Spitzenduo hatte von Beginn kein Kontrahent folgen können, der drittplatzierte Magnus Männer (Zell) lag nach Runde eins bereits 15 Sekunden hinter El Jaddar. Der Triathlet der Tsch Langenau, Vorjahressieger der Jugend A, lieferte indes ebenfalls konstante Zeiten und kam 1:38,1 min hinter El Jaddar ins Ziel. Mit seiner Zeit von 15:46,9 zeigt sich der Sieger unterdessen "sehr zufrieden", und nebenbei ist es ein neuer Streckenrekord. Nach der Distanzänderung im Vorjahr hatte Joseph Katib (Nürnberg) auf der neuen 5500-Meter-Strecke eine Zeit von 15:53,0 vorgelegt.

Bei den Frauen lief Michaela Gertis (LG Hohenfels) mit konstanten Rundenzeiten ebenfalls zu einem Start-Ziel-Erfolg, die 20-Minuten-Marke verfehlte die Wutöschingerin knapp: In 20:02,9 min verwies Gertis ihre Verfolgerinnen Daniela Böhler (Rheinfelden/Schweiz, +1,22,0 min) und Gabi Schüpbach (Weil, +1:35,5) auf die Plätze zwei und drei. Für Gertis, Gesamt-Elfte des Stadtlaufs, lag indes die Zeit von Vorjahressiegerin Fiammetta Troxler (Zürich/18:53,6) – heuer nicht am Start – außer Reichweite.

Dass sich El Jaddar gegenüber dem Vorjahr (16:20,3) um über 30 Sekunden steigerte, hatte seinen Grund. Denn bei seinen drei bisherigen Starts fiel der Stadtlauf stets in die Zeit des Ramadans, dem islamischen Fastenmonat. Das schränkt den Sportler in seiner Trainings- und Leistungsfähigkeit ein. Diesmal aber endete der Ramadan drei Tage zuvor, der Basler war wieder voll ins Training eingestiegen. Selbst wenn dies nur eine kurze Zeitspanne ist, sie zahlt sich aus. Oder wie El Jaddar im Hebelpark mit einem verschmitzten Lachen sagt: "Jetzt kann ich fliegen."