Theatertreffen

Diversität auf der Bühne ist wünschenswert

Jenny Warnecke

Von Jenny Warnecke (Freiburg)

Fr, 31. Mai 2019

Leserbriefe

Zu: "Die Generationenfrage", Beitrag von Bettina Schulte (Kultur, 15. Mai)

Wir sind von der Contra-Quote-Berichterstattung von Bettina Schulte vom Theatertreffen in Berlin irritiert. Das Heranzitieren der weiblichen Theaterakteurin Carolin Peters, die gegen die Bezeichnung "starke Frau" ist, mit dem Argument, dass sich die Besten durchsetzen, ist befremdlich. Offensichtlich standen künstlerisch zu Recht außer SheShePop nur männliche Regisseure im Rampenlicht – so viel künstlerischer Zufall ist kaum denkbar.

Gerade der polemische Ausblick auf die Zukunft der Theatertreffen, bei dem Frau Schulte eine "Quote für Migrationshintergrund und eine gegen Heteronormativität" befürchtet, lässt auf eine privilegierte und empathiefreie Position der Autorin schließen, die sich einer als heteronormativ imaginierten badischen Leserschaft anbiedert. Es ist nicht nachvollziehbar, eine Quote im Kunstbetrieb als "Zeitgeist" abzutun.

Die im Artikel mit Superlativen überhäuften Regisseure Christopher Rüping und Simon Stone (die am "längsten" und am "teuersten" produzierten) zeichnen sich nicht etwa durch Qualität aus, sondern "strotzen vor Selbstbewusstsein". Wenn das nach Frau Schultes Meinung die neuen Merkmale herausragender Regie sein sollten, bleiben wir ratlos zurück.

Diversität auf der Bühne ist wünschenswert. Ja, sowohl migrantischer Hintergrund als auch Trans- und Inter-Menschen und auch: Alter. Wir wünschen uns gerade im Stadttheater Freiburg ein Ensemble mit Frauen, die (weit) über fünfzig Jahre alt sind. Ob das mit Quoten passiert oder ohne – es wäre jedenfalls unserer Zeit angemessen.
Jenny Warnecke, Freiburg