Umweltfreundlich reisen

Man gerät in den Ruch des Miesepeters

Eckart Schultz

Von Eckart Schultz (Freiburg)

Sa, 08. Juni 2019

Leserbriefe

Zu: "Wie hoch ist der CO2- Fußabdruck meiner Reise?", Agenturbeitrag (Reise, 18. Mai)

In dem genannten Artikel nennt Herr Laage für Deutschland einen mittleren jährlichen CO2-Ausstoß von mehr als zehn Tonnen pro Person. Nach Berechnungen des Weltklimarates dürfen es aber nur zwei Tonnen sein, um die globale Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Im Weiteren gibt Herr Laage an, dass allein bei einem Flug von Frankfurt nach New York auf jeden Passagier ein CO2-Ausstoß von über 2,5 Tonnen entfällt. Vor diesem Hintergrund mutet es schizophren an, wenn auf der gleichen Seite eine Norwegen-Reise beschrieben und als einzige Anreisemöglichkeit ein Flug angegeben wird. Weiter werden BZ-Leserreisen nach Polen, nach Italien, nach St. Petersburg und nach Barcelona angeboten. Wer geglaubt hatte, wenigsten bei einigen dieser Ziele würden alternative Transportmittel angeboten, wird enttäuscht.

Es ist erschütternd festzustellen, wie gespalten das Thema Klimaschutz auch in Ihrer Zeitung behandelt wird. Die Mehrheit der Deutschen findet natürlich den Klimaschutz wichtig oder gar sehr wichtig – aber bitte nur dann, wenn es nicht mich und meine liebgewordenen Gewohnheiten betrifft; und auf einen Flug zu verzichten, geht gar nicht, denn es geht schließlich um die schönsten Tage des Jahres, den Urlaub.

Von Ihrer Zeitung hatte ich mehr erwartet. Schnell kommt man mit dieser Argumentation in den Ruch eines Miesepeters, Moralapostels, Spaßverderbers – und da ist was dran. Deswegen sehe ich die Politik in der Pflicht umzusteuern, und zwar mit Mitteln der Steuerpolitik. Viel könnte allein schon durch den Wegfall umweltschädlicher Subventionen erreicht werden, wie sie das Umweltbundesamt (UBA) unter anderem im Verkehrsbereich aufgelistet hat.

Welchen Sinn macht in der heutigen Situation die Energie- und Mehrwertsteuerbefreiung des Luftverkehrs, die geringere Besteuerung des Dieselkraftstoffs, die steuerliche Begünstigung der auch privat genutzten Firmenwagen, um nur die dicksten Brocken zu nennen? Nach UBA addieren sich allein die Steuergeschenke im Verkehrsbereich auf annähernd 30 Milliarden Euro pro Jahr. Ich wünsche mir, dass die BZ mehr über solche Zusammenhänge berichtet und Zusammenhänge herstellt. Eckart Schultz, Freiburg