Europawahl

Nationale Anzeichen gab es doch schon lange

Peter Schwenkenberg (Bad Krozingen)

Von Peter Schwenkenberg (Bad Krozingen)

Sa, 08. Juni 2019

Leserbriefe

Zu: "Das Parlament will mitreden", Beitrag von Tom Weingärtner (Politik, 29. Mai)

Der französische Präsident sollte sich überlegen, ob es Europa wirklich dient, den integren EU-Parlamentarier Manfred Weber – "einen Deutschen, jawohl", möchte man mit de Gaulle ausrufen – als neuen Kommissionspräsidenten zu verhindern; zudem noch mit herabsetzenden Begründungen. Es wäre die Wiederbelebung der von Mitterrand und Kohl überwunden geglaubten historischen Ablehnung der Deutschen an sich.

Es wäre auch die Wiedergeburt des kolonialen westeuropäischen Denkens, zu dem das Nicht-Sicherheitsratmitglied Deutschland derzeit auch noch Spalier steht, indem es mithilft, in Mali die Frankophonie zu stärken, und nun auch noch Kampfflugzeuge oder sogar Flugzeugträger anstrebt. Wenn man uns Deutsche in Europa wieder mit dem Hintern angucken möchte, kann eigentlich nur der alte preußische Spruch gelten: "Non solum vestris lutum" (Macht euren Dreck alleine). Der Mitverhandler des Versailler Vertrages, Harold Nicolson, muss widerlegt werden; er verachtete die Deutschen wegen ihrer "politischen Inkompetenz".

Anzeichen für eine neue französische nationale Politik gab es doch schon lange. Beispielsweise, als im November 2017 Frankreich der Europäischen Zentralbank, die einzige große EU-Institution auf deutschem Boden, ein Bein stellte, die EU-Bankenaufsicht nach Paris holte und Frankfurt dann das Nachsehen hatte.

Dabei hätte es doch den europäischen Friedensprozess ohne das beherzte Zutun Deutschlands, mit Walter Hallstein als bisher einzigem deutschen Kommissionspräsidenten gleich nach dem Krieg und dem ersten deutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer, überhaupt nicht gegeben. Peter Schwenkenberg, Bad Krozingen