Kinderrechte

Wir gestalten unsere spätere Gesellschaft

Birgit Lemke

Von Birgit Lemke (Lahr)

Fr, 14. Juni 2019

Leserbriefe

Zu: "Grüne für Kinderrechte ins Grundgesetz", Agenturbeitrag (Politik, 1. Juni)

Die Forderung "Kinderrechte ins Grundgesetz" entspricht unserer typisch neuzeitlichen deutschen Geisteshaltung: Kinder zuerst – Kinderrechte ins Grundgesetz. Wo doch Menschenwürde allen Menschen gilt und das Kindeswohl ausdrücklich als Verfassungswert bestätigt wurde. Bei uns fängt Diskriminierung und Benachteiligung schon an, wenn etwas nicht mit unzähligen Worten im GG verankert ist. Aus lauter Angst, dem Kindeswohl nicht zu genügen, lassen Eltern/Erzieher ihre Kinder heute nicht mehr weinen – und schon gar nicht in der Öffentlichkeit, sie könnten ja misshandelt werden.

Viele daraus resultierenden Folgen ließen sich aufführen. Als Leiterin einer Kinderkrippe lobe ich besonders osteuropäische und afrikanische Eltern/Großeltern. Diese lehren ihre Kinder von Geburt an zu warten und sich zu gedulden. Bei Tisch werden zuerst die Alten bedient mit Teller und Speise, dann die Kinder. Letztere werden gar gelehrt, Erstere zu bedienen. Jeder, der es sehen will, erkennt vom ersten Tag an, wie geduldig diese Kinder sind und wie sie in allen Situationen warten können, ohne zu quengeln. Wir – Eltern, Erzieher, Staat – gestalten unsere spätere Gesellschaft, beziehungsweise die wir schon haben, selbst: mit Menschen, die als erstes ihre Rechte einfordern und ihre eigene Verantwortung nicht erkennen und umsetzen. Birgit Lemke, Lahr