Leserbriefe

Michael Hauck

Von Michael Hauck (Freiburg)

Di, 09. Juli 2019

Leserbriefe Breisgau

BZ-SERIE WALD UND MENSCH
"Regionen waren in kürzester Zeit baumfrei"
Zu "Wie der Schwarzwald wurde, was er ist", in der BZ-Ausgabe vom 22. Juni:
Der interessante Artikel benennt eine Reihe wichtiger Faktoren, die den Charakter des Schwarzwaldes in den letzten Jahrhunderten geprägt und verändert haben. Allerdings wird ein Aspekt – der Bergbau – nur am Rande erwähnt. Bereits die Kelten und Römer betrieben Bergbau vor allem auf Eisen. Ab dem 11. Jahrhundert wurden in unzähligen Gruben silberhaltige Erze abgebaut: Schauinsland, Münstertal, Glottertal, Suggental und Todtnau-Wieden. Silber war als Zahlungsmittel von Bedeutung: Ohne das Silber des Schauinslands hätte das Freiburger Münster nicht erbaut werden können. Dabei wurde Holz zum Stollenbau, aber auch zum Hausbau der Bergarbeitersiedlungen verwendet. Erheblich war der Bedarf vor allem an Buchenholz für die Verhüttung der Erze. Hierfür kam Holzkohle zum Einsatz, das in unzähligen Köhlereien hergestellt wurde. Nur mittels Holzkohle konnten Temperaturen erzeugt werden, um Erze aufzuschmelzen. Manche Regionen (Belchen, Kandel) waren in kürzester Zeit baumfrei. Starkregenereignisse führten zu katastrophalen Murenabgängen mit der Zerstörung ganzer Siedlungen und Grubenanlagen (der Ort Münster unterhalb des Klosters Trudpert Mitte des 14. Jahrhunderts, das Suggental um 1288). Der Bergbau im Südschwarzwald kam im Dreißigjährigen Krieg nahezu vollständig zum Erliegen und wurde erst Anfang des 18. Jahrhunderts im bescheidenen Ausmaß wieder aufgenommen. Da reiche Silbervorkommen in Südamerika entdeckt worden waren, konzentrierte sich der neuzeitliche Bergbau auf Zink (Schauinsland), Schwerspat und Flußspat (Wieden, Todtnau, Oberwolfach, Pforzheim). Michael Hauck, Freiburg"Verklärung der Landschaft von gestern"
Zu "Der Wandel des Waldes im Rheintal" in der BZ-Ausgabe vom 2. Juli:
Die Rheinauen und die Rheininseln vor der Rheinkorrektur werden heute idealistisch verklärt dargestellt. Auch die Autorin des BZ-Artikels folgt der Verklärung der Landschaft von gestern. Diese Darstellung beruht nicht auf historischer Recherche, sondern basiert auf einem Landschaftsbild des Baslers Peter Birmann. Das Birmann’sche Bild löst sich völlig von der Realität, ist aber ungeheuer einprägsam und überzeugt durch seine Schönheit. In Presse, Rundfunk und Fernsehen wird öfters von Bildern abgeleitet, dass nicht nur der Taubergießen mit seinen Auwäldern, sondern auch andere Schutzgebiete am Rhein die letzten Reste der urigen Wildstromlandschaft seien, die der Rheinbegradiger Tulla willkürlich zerstört habe. Den Wildstrom ohne menschliche Gesichtszüge gab es schon zur Römerzeit nicht mehr.

Helmut Volk, Arbeitskreis

Flussauen und Auewälder, Freiburg