Leserbriefe

Das Thema Kreisstraße bewegt Leser in der südlichen Ortenau

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Mi, 05. Mai 2021 um 10:07 Uhr

Leserbriefe Ortenau

Zur Berichterstattung über den Vor-Ort-Termin der Bürgerinitiative B-3-Umfahrung Kippenheim am vergangenen Mittwoch ("Klare Plädoyers für Variante 2") sind Leserbriefe eingegangen.

Nicht nur Befürworter der Variante 2

Dass es bei dem Vor-Ort-Termin überwiegend klare Plädoyers für Variante 2 gab, verwundert nicht, da es sich um eine Kundgebung der Bürgerinitiative handelte. Der sich aufdrängende Eindruck, dass es in der Region nur Befürworter der Variante 2 gäbe, stimmt nicht. Nur sind diese Kritiker nicht in einer Bürgerinitiative formiert.

Eine phänomenale Entlastung von 22 000 Fahrzeugen täglich wird es selbst mit der Variante 2++ leider nicht geben. Für eine Investition von mindestens 50 Millionen werden wir Bürgerinnen und Bürger der Region Folgendes erhalten:
» Variante 2 führt zu mehr Verkehr in der Region, da die neue Kreisstraße zu einer nicht angestrebten Verlagerung von 5700 Fahrzeugen der A5 auf die neue Kreisstraße führen wird. Die Verschiebung der Verkehrswege führt zu neubelasteten Einwohnern, Anzahl noch unbekannt.
Die B3 bleibt weiterhin eine attraktive Route für den Regionalverkehr.
» Der Entlastungseffekt des Südteils ist bei beiden Varianten für sich betrachtet relativ gering. Für Altdorf beträgt die Entlastung hierdurch am Tag 800 Fahrzeuge (Vergleich Variante 2/Variante 2 ohne Süd) bzw. 200 Fahrzeuge (Vergleich Variante 5/Variante 5 ohne Süd). Dieser Entlastungseffekt schrumpft in Kippenheim bei beiden Varianten auf nur noch 200 Fahrzeuge.
Bei Variante 2 werden für den Straßenbau 20 Hektar Flächen versiegelt. Hierbei ist die Flächenversiegelung durch die neu entstehenden Gewerbegebiete noch nicht hinzugerechnet. Für betroffene Landwirte geht wieder einmal fruchtbarer Ackerflächen verloren.
» Regionale Grünzüge, Biotope, Schutzräume für Tiere der Roten Liste werden durch die neue Kreisstraße zerschnitten.

Aber für die Förderung des ÖPNV hat der Ortenaukreis kein Geld.

Daniela Mösch, Orschweier

Reihenfolge sollte umgedreht werden

Bei der ganzen Diskussion um die neue Kreisstraße wird die Reihenfolge der geplanten Bauabschnitte hingenommen, wie wenn sie keine große Rolle spielte.

Aus der Vorlage zur Kreistagssitzung am 4. Mai geht hervor, dass der südlichste Abschnitt zwischen Ringsheim und Ettenheim in der Kosten-Nutzen-Relation in Frage gestellt werden muss (Tabelle auf Seite 36). Die Zahlen belegen, dass die südliche Trasse zwischen Ringsheim und Orschweier zu keiner entscheidenden Verminderung des Kfz-Aufkommens pro 24 Stunden beiträgt. Zumindest sollte die Reihenfolge der Bauabschnitte umgedreht werden, also mit dem nördlichen Abschnitt begonnen werden, der bedeutend schwieriger und teurer kommt, anstatt bei Ringsheim. Denn wenn das Geld nicht reicht, haben wir den Verkehr genau dorthin geleitet, wo er nicht hinsollte. Umgekehrt ließe sich nach Bauende leicht feststellen, dass man auf das südlichste Stück verzichten kann, sogar verzichten muss.

Die Badische Zeitung berichtete in ihrem Artikel "Erster Katalog der Grausamkeiten" am 22. April, dass der Ortenaukreis Schulprojekte verschieben muss, um die Finanzen im Griff zu behalten. Hier wäre das Geld bedeutend besser angelegt. Ein Fall für den Rechnungshof?

Wolfgang Hoffmann, Ettenheim

Überzogene Projekte sind rückwärtsgewandt

"Mit dem Bau von Variante 2 würden in den betroffenen Kommunen 22 000 Fahrzeuge weniger über die B3 fahren", lautet die Aussage von Michael Loritz vom Landratsamt. Wer mit derartig beeindruckenden Zahlen aufschlägt, hat die Befürworter der geplanten Kreisstraße einschließlich Südteil von Ringsheim nach Orschweier klar auf seiner Seite.

Tatsache aber ist, dass Herr Loritz offenbar den neuesten Bericht zur Verkehrsuntersuchung (Stand 15. April 2021) gar nicht gelesen hat. In diesem Bericht wird das gesamte prognostizierte Verkehrsaufkommen für Kippenheim in 2030 auf 22600 Kraftfahrzeuge pro Tag geschätzt. Bei Variante 2 geht man von einem Rückgang von 4300 Kraftfahrzeugen für die Variante 5 (ohne Südteil) und 6000 Kraftfahrzeugen für die Variante 2 aus, also nur 1700 Kraftfahrzeuge täglich weniger. Das Verkehrsaufkommen durch Altdorf würde im Vergleich der beiden Varianten nur um 700 Kraftfahrzeuge täglich reduziert.

Mit diesen bescheidenen Differenzen soll mehr als eine Verdopplung der Kosten von etwa 20 auf über 50 Millionen Euro gerechtfertigt werden. Wobei die Geldverschwendung nur ein Aspekt ist, der gegen den Südteil der K5344 spricht. Wer sich mit der naturschutzfachlichen Prüfung (Stand 5. April 2021) befasst hat, findet reichlich Argumente, die gegen den unnötigen Südteil der Kreisstraße sprechen. Hier nur einige Beispiele:
Weitgehend die ganze Strecke (etwa 1,8 Kilometer) führt durch den regionalen Grünzug zwischen Ringsheim und dem Ettenbach.
» Für den Ettenbach im Süden als Teil des FFH-Gebietes Taubergießen, Elz und Ettenbach können erhebliche Beeinträchtigungen nicht ausgeschlossen werden.
Im Plangebiet bestehen mehrere besonders geschützte Offenlandbiotope.
Im Abschnitt 1 zwischen Ringsheim und dem Gewerbegebiet Dyn A5 leben an der Trasse zwei Brutpaare stark gefährdeter Arten und 16 Brutpaare gefährdeter Arten.

Während in anderen Gemeinden konkrete Überlegungen zum Verbund von Biotopflächen angestellt werden, wird bei der Variante 2 die Flächenversiegelung und Landschaftszerschneidung als Kollateralschaden billigend in Kauf genommen. Wer es wie die Grünen-Kreisrätinnen Dorothee Granderath und Heike Dorow wagt, auf solche Missstände hinweisen, wird ausgebuht und mit abwertenden Sprüchen überzogen. Das ist einfach nur völlig daneben. Beifall finden dagegen nichtssagende Plattitüden wie "Jahrhundertprojekt" und das "Fitmachen der Region für die Zukunft". Derart überzogene Straßenbauprojekte sind aber nicht die Zukunft, sie sind absolut rückwärtsgewandt.

Hartmut Mohr, Ettenheim

Entschlossen gegen den Widerstand

Als Anwohnerin der Unteren Hauptstraße in Kippenheim danke ich der Bürgerinitiative "B3 Umfahrung – Kippenheim" für ihr großartiges Engagement in den vergangenen Monaten und den Verantwortlichen aus Politik und Verwaltung, die mutig und beherzt ein klares Plädoyer für die vielversprechende Variante 2 ausgesprochen haben.

"Mutig und beherzt" deshalb, weil sich diese Befürworter entschlossen gegen Widerstand, teilweise sogar aus den eigenen Reihen, durchgesetzt haben: Da fielen Sätze wie "Keine Zerstörung von Grünflächen für den Bau von neuen Straßen". Da frage ich mich: Wenn unsere maroden Ortskerne aussterben und Neubaugebiete gleichzeitig immer größer werden – geschieht da nicht dasselbe? Zählen die Flächen in unseren Dörfern denn gar nicht? Da fielen Sätze wie "Schutz für Umwelt und Natur". Da frage ich mich: Haben Anwohner dampfender und dröhnender Durchgangsstraßen nicht auch das Recht auf den Schutz ihrer Gesundheit und Sicherheit?

Und wie steht es mit der Heimatpflege? Historische Häuser am Straßenrand – im Abgasdunst und Motorenlärm oft heruntergekommen. Wo bleibt die Wertschätzung für Hauseigentümer, die den Mut haben, ihre Wurzeln zu pflegen und das Alte zu erhalten? Und was ist mit der sozialen Gerechtigkeit? Nicht jeder hat das nötige Kleingeld für ein modernes Haus in verkehrsberuhigter Toplage. Sollten Verantwortliche in den politischen Gremien nicht vor allem dafür ein Auge haben? "Wertvollen Wohnraum für alle schaffen", das darf keine leere Wahlparole sein.

Schließlich fielen Sätze wie: "Ich könnte mir lediglich eine "kleine Variante" – also Variante 5 – vorstellen. Das wäre zwar eine geringere Entlastung, aber etwas, "über das man reden könnte". Da frage ich mich: Haben da vielleicht einige ein kleines bisschen zu wenig nachgedacht, über den lauten Hilferuf, der schon seit Jahrzehnten brodelt und immer stärker wird?

Am 4. Mai geht es nicht um eine Bagatelle, über die man reden könnte, sondern um die Zukunft vieler Bürger und Bürgerinnen. Ich hoffe und vertraue auf eine weise Entscheidung der Verantwortlichen.

Beate Jörger-Hoffmann, Kippenheim

Variante 5 bringt keine Entlastung für alle

Am Dienstag geht es um eine historische Entscheidung im Kreistag für die Gemeinden der südlichen Ortenau und alle Anwohner von Ringsheim bis Lahr, die von dem enormen Verkehr geplagt sind. Neue Daten liegen nun vor, für jeden zur Einsicht auf der Homepage des Landratsamts Ortenaukreis. Diese verweisen auf eine deutliche Zunahme für Kippenheimweiler und Langenwinkel vor allem im Bereich des Schwerlastverkehrs, bei einer deutlich geringeren Entlastung aller Gemeinden mit Variante 5. Bei gleichzeitigen Millionenbeträgen für uns Steuerzahler würde hier im Gegensatz zu Variante 2 nur ein Minimalziel erreicht beziehungsweise sogar eine deutliche Verschlechterung für Lahrer Stadtteile.

Mit diesem Wissen kann nur eines erkannt werden: Dass die Variante 5 in keiner Weise als kommunaler Konsens gilt und man sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit dieser Variante stellen muss. Wenn schon die Variante 1, die Langenwinkel belastet hätte, aufgrund des fehlenden Konsens ausgeschieden ist, müsste das dann nicht auch für Variante 5 gelten? Die Argumente für Variante 2 liegen auf der Hand. Mit Variante 5 wird es keine Entlastung aller Gemeinden in der Region geben. Deswegen darf diese auch nicht als Rückfalloption gewählt werden. Alles andere wäre ein Desaster für die betroffenen Gemeinden mit ihren lärm-, schmutz-, schadstoff- und gefahrengeplagten Anwohnern, den Wirtschaftsunternehmen und letztendlich denjenigen, die tagtäglich im ländlichen Raum darauf angewiesen sind, ihr Fahrzeug bewegen zu müssen, um zur Arbeit zu kommen.

Bettina Sill, Lahr-Kippenheimweiler