Leserbriefe

Roger Holz

Von Roger Holz (Heitersheim)

Mi, 24. März 2021

Heitersheim

MALTESERSTADT
Zum Glück einen Riegel vorgeschoben
Leserzuschriften zum Bericht "Heitersheim wird nicht Malteserstadt" vom 18. März über die knappe Entscheidung im Gemeinderat gegen den Antrag auf offiziellen Namenszusatz und den neu entflammten Schlossstreit.

Stadtrat Dierk Bredemeyer hat alles getan, damit das Malteserschloss in die Hand privater Investoren gerät. Die sozial-karitative Weiternutzung im Sinne der Malteser wurde nicht einmal geprüft. Das hat er mit seiner Freien-Wähler-Fraktion, der SPD und dem damaligen Bürgermeister verhindert. Die Stadt sollte möglichst nichts mehr mit dem Schloss zu tun haben müssen. Und ausgerechnet er stellt jetzt den Antrag, Heitersheim offiziell zur Malteserstadt zu ernennen. Woher kommt plötzlich dieses Interesse für die Malteser-Tradition? Sie wird erst verleugnet, soll dann aber für Marketingzwecke genutzt werden? Vielleicht geht es eigentlich um etwas ganz anderes: Der Malteserorden hat nach dem Bürgerentscheid seine Namensrechte schützen lassen. Damit wurde verhindert, dass die geplante Privatschule "Malteser" in ihrem Namen führen darf. Sollte es wenigstens im Briefkopf auftauchen? Zum Glück haben fünf standhafte Stadträte dieser zynischen Travestie einen Riegel vorgeschoben.

Roger Holz, Heitersheim

Räte brauchen dringend einen Auffrischungskurs
Als ehemalige Vorsitzende der Historischen Gesellschaft der Malteserstadt sind wir entsetzt über die Ablehnung des Antrags, auf dem Ortsschild den Zusatz "Malteserstadt Heitersheim" anzubringen. Ausgerechnet Ursula Schlegel (CDU), ein Vorstandsmitglied der Gesellschaft, stimmt dagegen, dass die Stadt die Möglichkeit wahrnimmt, einen Bezug zu ihrer Geschichte, Eigenart und Bedeutung darzustellen. Da fragt man sich, ist sie als Vorstandsmitglied eines Geschichtsvereins mit dem Namen "Historische Gesellschaft der Malteserstadt Heitersheim" nicht fehl am Platze?

Ihre Aussage: "Ist das eine Chance von historischer Bedeutung oder eine außerordentliche Ausgabe", zeigt doch, dass sie anscheinend noch nicht begriffen hat, dass der Johanniter-Malteserorden über 500 Jahre die Geschicke von Heitersheim bestimmt hat. Sie macht aber Führungen im Museum, wie ist das möglich?

Auch die Aussagen anderer Stadträte verursachen Kopfschütteln. Seit wann wehrt sich ein Gewerbetreibender (Martin Schaber, CDU) gegen Marketing? Wieso ist es nicht klar, ob Heitersheim weiterhin ein Maltesermuseum habe? Im Vertrag der Stadt mit dem neuen Investor ist explizit festgehalten, dass er sich verpflichtet, das Museum weiter bestehen zu lassen. Wer möchte es auflösen?

Etwa die Historische Gesellschaft als Eigentümer? Vorstellbar wäre es, sind doch alle jetzigen Vorstandsmitglieder Mitglieder der Bürgerinitiative Malteserschloss. Wieso entsteht ein "Flickenteppich" (Ernst Fünfgeld, ZfH), wenn auf dem Ortsschild Malteserstadt steht? Was bedeutet "Entwürdigung des Maltesergedankens"? Herr Fünfgeld scheint nicht zu wissen, dass die Malteser seit über 200 Jahren nicht mehr in Heitersheim sind. Sie waren keine karitative Einrichtung, sondern die Herrscher eines Fürstentums, und die Bevölkerung war bis zur Aufhebung der Leibeigenschaft Untertan und Eigentum des Fürsten.

Es scheint uns, dass einige Stadträte dringend einen Auffrischungskurs bezüglich der Geschichte der Stadt benötigen, deren Bürger sie vertreten. Wir bieten ihnen gerne eine fachliche Führung durch das Johanniter-Malteser-Museum an.

Werner Oskar Höfler und Dr. Josef Rupp, Heitersheim. Ehemalige Vorsitzende der

"Historischen Gesellschaft der

Malteserstadt Heitersheim"

Das Unfassbare verhindert
Auf der Homepage des Malteserordens steht: Wahrung der Menschenwürde und Fürsorge für Menschen in Not. Die Fraktionen der FW und SPD wollten nicht, dass das Malteserschloss künftig Menschen in Not zur Verfügung steht. Es soll lieber für Kinder sehr reicher Eltern da sein. Wie wäre es mit etwas Respekt für den Orden? Bringt man den auf, versucht man nicht seinen Namen zu kapern, nachdem man einen seiner Grundsätze mit Füßen trat. Herzlichen Dank den Gemeinderäten, die das Unfassbare verhinderten. Daniela Fünfgeld, Heitersheim

Was haben wir für Kleingeister im Rat
Es gibt wenige Gemeinden mit einem solch starken historischen Bezug zu einer Sache oder Namen, wie Heitersheim zu den Maltesern. Aber was entscheidet unser Gemeinderat? Da werden wieder einmal der Parteiinteressen wegen der Stadt (das sind wir alle) historische und sympathische Attribute verweigert. Da hatten anscheinend die Falschen die Idee. Entdecke nur ich einen Widerspruch im Parteinamen "Zusammen für Heitersheim"? Oder haben sich nicht auch die Vertreter der CDU stets und gern des Namens Malteser bedient? Was haben wir doch für Kleingeister im Rat. Sie dürften nun mit "Dankesschreiben" von Gewerbeverein, Touristikverband, Gastronomie und Einzelhandel rechnen, denn ihnen hat man einen Bärendienst erwiesen. Günter Fehrenbach, Heitersheim