Der Siebenschläfer naht

MOMENT MAL: Bloß kein Oberwasser

Karlheinz Schiedel

Von Karlheinz Schiedel

Mo, 17. Juni 2019

Liebe & Familie

Klar, Wintersportfreunde werden das natürlich anders sehen. Und Liebhaber von Lebkuchen, Weihnachtskeksen oder großzügig gesüßten Gewürzweinen sowieso. Von Menschen mit quälenden Wechseljahrbeschwerden (Schweißausbrüche!) ganz zu schweigen. Aber dessen ungeachtet: Wir Nordländer finden Frühling und Sommer einfach attraktiver, als die nebliggrauen, feuchtkalten Jahreszeiten, die ebenso rasch wie unaufhaltsam auf die "großen Ferien" folgen. Zum Glück bleiben uns bis dahin noch ein paar Wochen, in denen wir nach Herzenslust jungen, spritzigen Wein, knackigen Spargel, aromatische Erdbeeren und laue Sommerabende auf der heimischen Terrasse genießen können. Hach, ist das Leben nicht schön? Wobei: Was uns die Wetterküche zuletzt vorsetzte, ist deutlich verbesserungswürdig. Allzu viel Zeit dafür bleibt nicht mehr: Bald werden die Tage wieder kürzer, die ersten Spargelbuden sind schon abgebaut und mit Riesenschritten nähert sich ein allseits gefürchtetes Wetterorakel: "Wenn’s am Siebenschläfer regnet, sind wir sieben Wochen mit Regen gesegnet", weiß der Volksmund. Und ich weiß nicht, was schlimmer ist: Die Aussicht auf einen durchwachsenen Hochsommer, oder die wirklichkeitsferne Ignoranz notorischer Klimawandelleugner, die sich allen Ernstes einbilden, durch ein paar verregnete Sommertage Oberwasser zu bekommen.