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Frankfurter Buchmesse

Literarische Aufbruchstimmung in Frankreich

Frankreich hat sich verändert, die Lebensbedingungen sind härter geworden: Massenarbeitslosigkeit, Terroranschläge, globale Bedrohungen. Der Niederschlag all dessen findet sich in der Literatur.

  • Ein Land in literarischer Aufbruchstimmung: Fnac-Buchhandlung in Lille Foto: PHILIPPE HUGUEN

Die französische Literatur lebt auf; sie verjüngt und erneuert sich. Ist da ein Macron-Effekt am Werk? Nein, Frankreichs neuer Präsident ist selbst nur ein Teil des frischen Windes, der momentan durch die Nation des Esprits weht. Im abgelaufenen Jahrzehnt – politisch gesprochen: während der Sarkozy-Hollande-Depression – versanken die Schriftsteller von Saint-Germain-des-Prés in bloßer Selbstbespiegelung, die Schriftstellerin Christine Angot nannte es "autofiction". Und die "nouveaux philosophes", die neuen Philosophen, verloren ihren politischen Glaubwürdigkeitsanspruch, als Bernard-Henri Lévy zum desaströsen Libyen-Krieg geblasen hat. Sie brächten heute auch inhaltlich "nichts Umwerfendes mehr" zustande, klagte Macron unlängst.

Das übrige Frankreich hat sich verändert. Die Lebensbedingungen sind härter geworden – Stichworte: Massenarbeitslosigkeit, Terroranschläge, der nach Marine Le Pen benannte Lepenismus, globale Bedrohungen. Der Niederschlag all dessen findet sich in der Literatur. Zum Beispiel bei Leïla Slimani, der Goncourt-Preisträgerin des vergangenen Jahres, mit ihrem soeben ins Deutsche übersetzten Roman "Dann schlaf auch du" (BZ vom 2. September). Der doppelte Kindsmord durch eine Nanny ist so furcht- und so unerklärbar wie die Bataclan-Anschläge von 2015; zwar ohne jeden Bezug dazu, aber ebenfalls aus dem Nichts gekommen, brutal in den Alltag einer durchschnittlichen Familie eingebrochen.

"Die französische Gesellschaft hat der deutschen eine Erfahrung voraus, und wir können, wenn wir französische Literatur lesen, vielleicht etwas über unsere Zukunft erfahren" Andreas Rötzer, Verleger "Es ist etwas im Gang in der französischen Gesellschaft", meinte der Verleger und ...

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