Ex-Jugoslawien

Ismet Prcics "Scherben": Kriege gewinnt man nicht

Hartmut Buchholz

Von Hartmut Buchholz

Sa, 06. April 2013 um 00:00 Uhr

Literatur

Wenn Todesurteile als beflissene Amtshandlungen maskiert sind: Ismet Prcics Roman "Scherben" ist die Biographie eines psychischen Verfalls in Zeiten des zerfallenden Jugoslawien.

Dr. Cyrus "brachte mich auf die Idee, meine Erinnerungen aufzuschreiben. Ich habe ihn gefragt, was ich schreiben soll, damit die Therapie funktioniert, und er sagte: Schreiben Sie alles auf. Ich hab gefragt, wo ich anfangen soll und er sagte: am Anfang". Schreiben als Selbstvergewisserung, als therapeutischer Vollzug, als Versuch, der Erinnerungen habhaft zu werden, indem man sie im Medium der Sprache fixiert – ein gutgemeinter psychiatrischer Ratschlag, der hier freilich nicht verfangen kann. "Scherben", der Titel von Ismet Prcics verstörendem Romandebüt, deutet an, dass eine derart fragmentierte Biographie wie die hier präsentierte durch kein erinnerndes und damit rekonstruierendes Schreiben quasi nachträglich gekittet werden kann.

"Scherben" – die amerikanische Originalausgabe erschien 2011 in New York – arrangiert in Tagebuchauszügen und Notizbüchern ...

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