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Annette Mahro

Von Annette Mahro

Fr, 15. März 2019

Literatur & Vorträge

Von Kamel Daoud bis Ruth Schweikert: Ausblick auf kommende Veranstaltungen im Literaturhaus Basel.

Mit seinem Romandebüt "Der Fall Meursault", der dem namenlosen Toten aus Albert Camus‘ "Der Fremde" ein Gesicht gibt, hat Kamel Daoud Furore gemacht. Seinen zweiten Roman "Zabor" stellt der algerische Autor jetzt im Basler Literaturhaus vor (20. März). Für Intendantin Katrin Eckert zählt er zu den vielen Highlights der Saison, auch wenn es ihr naturgemäß schwerfällt, sich auf einzelne festzulegen. Wichtig ist es ihr, sowohl internationale und regionale Autoren im Programm zu haben.

Der gebürtige Alain Claude Sulzer lädt etwa mit "Sinfonie en route" zu einem musikalischen Abend mit Mitgliedern des Basler Sinfonieorchesters, die unter anderem Werke des französischen Komponisten Francois Devienne (1759– 1803) spielen werden (21. März), während der Basler Autor Patrick Tschan zur Buchvernissage seines neuen Romans "Der kubanische Käser" kommt (27. März). Unter dem Titel "Seitenblicke: Rafik Schami, Ich wollte nur Geschichten erzählen", steht wenig später ein Abend mit dem gebürtigen Syrer, der 1971 nach Deutschland kam und heute als Erzähler so berühmt ist, dass man seinetwegen vom Literatur- ins deutlich größere Volkshaus umzieht (28. März).

Besonders freut sich Katrin Eckert dann wieder auf Alison Louise alias A. L. Kennedy, die ihren Roman "Süßer Ernst" im Gepäck hat. Darin geht es um Jon, eine hohen Beamten der britischen Regierung, der sich täglich zu unmoralischem Handeln gezwungen sieht und auf der Flucht vor Entfremdung Liebesbriefe für alleinstehende Frauen schreibt (2. April). Der Bosnier Dzevad Karahasan, den die Zeit einen "orientalischen Märchenerzähler" genannt hat, liest aus seinem Erzählband "Ein Haus für die Müden", in dem es um Weltverweigerer geht, die mit deren schneller Veränderung nicht mehr mithalten können (10. April).

Wichtig ist Katrin Eckert Uwe von Seltmanns Abend mit Filmausschnitten und Musikbeispielen über den "Vater des jiddischen Liedes" Mordechai Gebirtig. Der deutsche Journalist und Schriftsteller von Seltmann, der sich unter anderem auch schon mit dem Leben seines Großvaters beschäftigt hat, eines SS-Mannes, der an der Niederschlagung des Aufstands im Warschauers Ghettos beteiligt war, erweckt diesmal den Schöpfer von rund 170 Liedern und Gedichten zu neuem Leben. Anders als er selbst, der 1942 von den Nazis ermordet wurde, haben seine Werke die Shoa überlebt (9. Mai).

Einen besonderen Platz im Programm findet auch die Irakerin Inaam Kachachi. Sie ist neuer Writer in Residence", zu dem die Literaturhäuser in Freiburg und Basel zusammen mit dem Atelier Mondial einladen. Die 1952 in Bagdad geborene Journalistin zog 1979 nach Paris, um an der Sorbonne zu promovieren. 2018 erschien die Übersetzung Ihres Debütromans "Die amerikanische Enkelin", in dem es um Saina geht, die als 13-Jährige mit ihren christlich-assyrischen Eltern vor dem Regime Saddam Husseins geflohen ist und später als Übersetzerin in ihre Heimat zurückkehrt, dort aber alles andere als wohlwollend aufgenommen wird (16. Mai).

Um aktuelle politische Debatten geht es schließlich an dem Abend mit dem langjährigen WDR-Intendanten Fritz Pleitgen und dem russischen Journalisten, Übersetzer und Autor Mikhail Schischkin: "Erklär mir Russland – eine Annäherung" (23. Mai). Besonders am Herzen liegt Katrin Eckert auch die Lesung der in Lörrach geborenen Schweizer Schriftstellerin Ruth Schweikert. Sie spiele nicht nur eine bedeutende Rolle für die Schweizer Literatur, sondern stelle mit "Tage wir Hunde" auch ein sehr persönliches Buch vor. Es geht darin um die Krebserkrankung der Autorin (28. Mai).

Literaturhaus Basel, Barfüssergasse 3, Tel. 0041-61-261 2950,
Info: http://www.literaturhaus-basel.ch