Interessante Auswahl

Bettina Schulte

Von Bettina Schulte

Mi, 16. September 2020

Literatur & Vorträge

Die Shortlist für den Deutschen Buchpreis steht fest.

Wie in jedem Jahr hat die Jury des Deutschen Buchpreises am 15. September ihre Shortlist mit sechs Titeln veröffentlicht – und es ist eine sehr interessante und auch ausgewogene Auswahl geworden. Deniz Ohde, die designierte Trägerin des diesjährigen Jürgen-Ponto-Preises, ist die einzige Debütantin auf der Liste. Ihr Roman "Streulicht" schildert mit großer Genauigkeit eine Jugend im migrantischen Arbeitermilieu: ein Bildungsroman im Jahr 2020. Der Bekannteste unter den Nominierten ist Thomas Hettche, der bereits mit seinem Roman "Pfaueninsel" 2014 zu den Finalisten zählte und knapp unterlag. In diesem Herbst hat Hettche mit "Herzfaden" eine anrührende, zugleich märchenhafte wie zeitgeschichtlich präzis verortete Geschichte der Augsburger Puppenkiste vorgelegt.

Auch die seit 35 Jahren in Paris lebende Anne Weber gehört zu den arrivierten Autorinnen. Ihr Buch "Annette, ein Heldinnenepos" über die heute 95-jährige Kommunistin und Resistancekämpferin Anne Baeumanoir schaffte es ebenfalls auf die Shortlist – wie Bov Bjerg, der nach seinem sehr erfolgreichen Debüt "Auerhaus" (2015) mit "Serpentinen" seinen zweiten Roman vorgelegt hat. Dorothee Elmiger ("Aus der Zuckerfabrik") und Christine Wunnicke ("Die Dame mit der bemalten Hand") dürfen wenn nicht als Außenseiterinnen so doch als Autorinnen mit einem sehr eigenwilligen literarischen Ansatz gelten. Elmigers Prosatext, den man einen Roman nicht nennen kann, folge den Spuren des Zuckers, des Gelds und des Begehrens, so die Schweizer Jury.

Die Siegerin oder der Sieger des Deutschen Buchpreises wird am 12. Oktober verkündet. Die Verleihung findet im Frankfurter Römer ganz ohne Publikum statt und wird live gestreamt. 2019 sorgte der Buchpreisträger Sasa Stanisic, der für seinen Roman "Herkunft" ausgezeichnet wurde, mit seiner Rede gegen Literaturnobelpreisträger Peter Handke im Nachhinein für einen Eklat. Der Preis ist mit 37 500 Euro dotiert: Der Sieger erhält 25 000 Euro, die übrigen Autoren der Shortlist je 2500 Euro. Die sechs Shortlist-Romane für 2020 überzeugten die Jury "durch ihre sprachliche Ausdruckskraft und formale Innovation", sagte Sprecherin Hanna Engelmeier. Was man eben so sagt, da sich Literatur nicht auf einen Nenner bringen lässt.