Lob für Atomendlager-Suche

Barbara Schmidt

Von Barbara Schmidt

Di, 29. September 2020

Wirtschaft

Ex-Chef des Freiburger Öko-Instituts: So objektiv wie möglich / Auch Teile der Region werden geprüft.

. 90 Teilgebiete mit 194 000 Quadratkilometern lassen geologisch günstige Voraussetzungen für ein Atommüll-Endlager in Deutschland erwarten. Zu dem Schluss kommt die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE). Der umstrittene Salzstock Gorleben in Niedersachsen zählt nicht dazu, wohl aber Teile des Schwarzwaldes.

Der am Montag vorgelegte Zwischenbericht der BGE ist der erste Schritt in einem Verfahren, das 2031 zu einer Standortentscheidung durch den Bundestag führen soll. "Ein Teilgebiet ist noch lange kein Endlagerstandort. Fakten schafft der Gesetzgeber erst am Ende des Verfahrens", betonte BGE-Geschäftsführer Steffen Kanitz. Wie die Suche ablaufen soll, hatte der Bundestag 2017 im Standortauswahlgesetz festgelegt. Die BGE halte sich daran, und "wir als Nationales Begleitgremium haben bisher einen sehr guten Eindruck von der Arbeit der BGE", sagte Rainer Grießhammer der BZ.

Der Chemiker und langjährige Mitgeschäftsführer des Freiburger Öko-Instituts wurde von Bundestag und Bundesrat in das Nationale Begleitgremium berufen, das als unabhängige Instanz wirken soll. Anders als bei Asse und Gorleben in den 1960er- und 70er-Jahren laufe die Standortsuche dieses Mal "so wissenschaftsbasiert und objektiv wie möglich", betonte Grießhammer. Das Begleitgremium habe stichprobenartig anhand einzelner Standorte geprüft, wie die BGE arbeitet.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) äußerte sich skeptisch zum Zwischenbericht. Von Bayern gebe es jetzt "keine Totalblockade", der Freistaat werde das Verfahren aber "sehr konstruktiv und kritisch begleiten". Er kritisierte, dass der Salzstock Gorleben herausgenommen wurde. Diese Kritik wies Grießhammer zurück: "Die BGE begründet doch ganz klar, aus welchen geowissenschaftlichen Kriterien sie Gorleben ausschließt." Ein Ausschlusskriterium für Gorleben ist laut Kanitz die Instabilität des Deckgebirges. "Wir arbeiten rein wissenschaftlich", so Stefan Studt, der Vorsitzende der BGE-Geschäftsführung. "Es hat zu keinem Zeitpunkt eine politische Einflussnahme gegeben", ergänzte Kanitz.

Die Anti-Atomkraft-Bewegung nahm das Ausscheiden Gorlebens mit Erleichterung auf. Damit werde ein "43 Jahre alter Fehler endlich geheilt", sagte Jochen Stay von der Anti-Atom-Initiative "Ausgestrahlt". Um sicherzugehen, hat das Begleitgremium laut Grießhammer einen Gutachter beauftragt, sich die Entscheidung zu Gorleben anzuschauen – wie für je einen Standort in Ton- und Kristallingestein.