Lockdown auch für Amateursport

Uwe Schwerer

Von Uwe Schwerer

Do, 29. Oktober 2020

Handball Allgemein

Vom Montag an wird kein Sportbetrieb mehr stattfinden / Sportstätten werden geschlossen / Auch Training ist untersagt.

Die Politik hat am Mittwochnachmittag einen zweiten, modifizierten Lockdown beschlossen, welcher auch gravierenden Auswirkungen auf den Amateursport hat. Ab dem kommenden Montag müssen alle öffentlichen Sportstätten geschlossen bleiben. Das heißt: Der Ligenbetrieb kommt bis – mindestens – Ende November erneut zum Erliegen. Das trifft alle Sportarten. Auch jene, die an der frischen Luft ausgetragen werden. Ob nach dieser vorläufigen Frist wieder Sport in der Region stattfinden kann, ist auch davon abhängig, wie sich das Infektionsgeschehen entwickelt.

All jene Sportfreunde, die noch die Hoffnung gehegt hatten, es könne Ausnahmen oder relativierenden Regeln geben, sahen sich am späten Nachmittag mit der harten Realität konfrontiert. Der Amateursportbetrieb wird eingestellt.

Die Maßnahmen sind sehr weitreichend: "Vereine dürfen nicht mehr trainieren", meldete die Deutsche Presse-Agentur um 16.52 Uhr vom Treffen der Bundeskanzlerin mit den Ministerpräsidenten. Nur Individualsport, zum Beispiel Joggen oder Radfahren, ist demnach vom 2. November an noch erlaubt. Die Entscheidungen stoßen, anders als im Frühjahr, nicht nur auf Gegenliebe. Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, hatte noch am Dienstag auf "Fingerspitzengefühl" gehofft. "Von den 90 000 Vereinen als einzigartigem "sozialen Tankstellennetz" in Deutschland bis zum Spitzensport haben alle Verantwortlichen bis heute höchst diszipliniert und vorbildlich bei der Bewältigung der Pandemie gewirkt", hatte er gesagt.

Im Fußball hatte sich in den letzten Tagen durchaus schon eine Zustimmung zu den Berliner Beschlüssen angedeutet. Sechs der 21 Landesverbände waren bis zum Mittwoch freiwillig in den vorläufigen Ruhestand gegangen, wobei der südbadische Verband sich, wie schon im März, zurückhielt. Am Mittwoch nahm die große Politik in Berlin dem SBFV die Entscheidung ab. Ab Montag darf auf den Amateurplätzen nicht mehr gekickt werden. Noch steht ein regulärer Spieltag in allen südbadischen Fußball-Klassen von der Verbandsliga bis hinunter zur Kreisliga C auf dem Plan.

Der Fußball sah sich immer in einer besonderen Position, da der Sport an der frischen Luft nicht unbedingt im Verdacht stand, die Pandemie zu befeuern. Nun stellt sich die Frage: Wird am Wochenende überhaupt noch gespielt? Beim SBFV fand am Mittwochabend eine Telefonkonferenz zu diesem Thema statt. Deren Ergebnis war bei Redaktionsschluss nicht bekannt.

Das Präsidium des südbadischen Handballverbands war von sich aus aktiv geworden und hatte am Dienstag bereits eine Entscheidung getroffen, wonach die Spielrunde bis einschließlich 14./15. November ausgesetzt wurde.

Beschluss im südbadischen Handball ist Makulatur

Nun ist dieser Beschluss quasi Makulatur. Über eine möglicherweise weitere Aussetzung des Spielbetriebs wollte das Präsidium des SHV auf Basis der Entwicklung der Vorgaben der Landesregierung und den Daten des RKI am 10. November entscheiden. Auch dies ist nun überholt. Die HSG Ortenau Süd hatte von sich aus schon zu Wochenbeginn erklärt, sie ziehe sämtliche Teams aus dem Ligenspielbetrieb zurück.

Wie sah es zuletzt in den anderen Sportarten aus? Im baden-württembergischen Hockey gab es die Absicht, eine Hallenrunde auszutragen, zumindest in jenen Ligen, in denen sich die Mehrheit der Teams bei einer Befragung spielwillig zeigten. HC Lahr und ETSV Offenburg hatten sich in dieser Hinsicht positiv geäußert. Nachdem im Badminton der Spielbetrieb von unten bis zur Baden-Liga bereits eingestellt war, war nach einem Votum der betreffenden Vereine auch die Baden-Württemberg-Liga selbstständig in den vorläufigen Ruhestand gegangen. Drei von acht Clubs waren allerdings immerhin gegen eine Einstellung des Spielbetriebs. Auch die Kegler in Südbaden hatten sich bereits vor dem Mittwoch eine Pause bis Mitte November verordnet. Das bleibt nun unverändert, da von höherer Stelle angeordnet.

Im Volleyball teilte der südbadische Verband mit, welche Szenarien denkbar sind. Falls es während der Hinrunde zu einem kompletten Abbruch der Spielrunde kommt, wird ab Januar, falls möglich, eine Halbrunde gespielt. Alle bis zum Abbruch absolvierten Spiele werden in die Saison-Wertung einfließen. Sollte die Hinrunde nicht vollständig abgeschlossen und auch keine Halbrunde ab Januar möglich sein, findet überhaupt keine Wertung statt. Es gibt keine Absteiger und keine Aufsteiger. Bei vollständigem Abschluss der Hinrunde gilt die Hinrunde als Abschlusstabelle. Sind mindestens zwei Drittel aller Spiele einer Staffel absolviert, wird die Rangfolge auf Grundlage der Quotientenregel ermittelt.