26 Künstler in sechs Stunden

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Mo, 16. September 2019

Lörrach

Achte Nacht der offenen Ateliers lockt bei spätsommerlichem Wetter viele Kunstinteressierte an.

LÖRRACH. Viel los war bei der achten Nacht der offenen Ateliers in Lörrach. In der ganzen Innenstadt standen am Samstag die Türen zu den Räumen der Kunstschaffenden einladend offen. Überall flanierten die Kunstfreunde bei spätsommerlichem Traumwetter und genossen es, Einblick in die privaten Ateliers und das aktuelle Schaffen von 26 Künstlern zu erhalten.

Teilweise richtiges Gedränge herrschte in der Schönfärberei im Aichelepark, wo Organisator Christoph Geisel und weitere Kunstschaffende eine Ateliergemeinschaft bilden. Geisel selbst zeigte Fotografien von Blaulicht und eine Serie vom Tüllinger, vor allem abends und nachts aufgenommen mit langen Belichtungszeiten, Lichteffekten und Unschärfen. Nebenan im Atelier des Bildhauers Michael Jaks waren Skulpturen in Stein zum Thema Verbindung und Paare in Form von Lemniskaten zu sehen. Auch im Gemeinschaftsatelier von Claudia Körner und Vera Rink-Roth war Kontrastreiches zu entdecken, darunter kritische Bilder über Tierelend und Schlachthofszenen.

Ebenfalls mehrere Kunstschaffende unter einem Dach anzutreffen waren im Atelier und Werkhaus K 18. Die Malerin Beate Fahrnländer zeigte eine Wand voll Frauenporträts. Sie beschäftigt sich anlässlich 100 Jahre Frauenwahlrecht mit "Starken Frauen". Auf der Staffelei steht ihr neuestes Bild, ein Porträt der jungen Klimaaktivistin Greta Thunberg, die sie als "neue Prophetin" darstellt. Auch bei Hanna Benndorf gibt es Neues anzuschauen, große Bilder mit weißem Raum und verschlungenen blütenartigen Formen. Farbiges und Konstruktives erwartet die Besucher im Atelier von Claudia Bitzer, die Farben liebt und mit geometrischen Formen arbeitet. Ihr farbverkleckster Arbeitstisch sieht aus wie Action Painting. Dicht an dicht sind die Skulpturen in den Räumen des Bildhauers Paolo Pinna aufgebaut: Figuratives in Holz und Stein, aber auch Figuren auf einem Schiff, die an Flüchtlingstragödien erinnern.

Auf dem Meeraner Platz gestaltete Max Meinrad Geiger bei einbrechender Dunkelheit eine Licht- und Feuerperformance. Zwei Fässer mit ausgelaserten Formen und einen kleinen Feuertulpenturm brachte der Künstler zum Leuchten. Sein Thema war Feuer und Wasser.

Auch das Freiraumkunstlager beteiligte sich an der Ateliernacht mit einer ganz besonderen Ausstellung: Unter dem Titel "Duolog" präsentierten elf Künstler jeweils zwei Werke, die sie paarweise miteinander in Bezug setzten, seien es Bilder, Drucke, Fotografien oder Objekte. Hingucker im Raum war die Installation aus Elektroschrott von Robert Zumkeller. Auch die mit Arbeiten verschiedener Künstler bestückten Boxen und Kojen luden zum Stöbern ein. Nur ein paar Schritte weiter ging es ins Atelier von Gabriele Menzer, die im Flur und in den Räumen ihrer Malschule Beispiele ihrer meisterlichen Bilder zum Thema Faltungen und Lichträume, aber auch Papierskulpturen und poetische Blätter zeigte. Mediterrane Atmosphäre herrschte im Innenhof des Hauses, in dem Cerstin Thiemann und Eloisa Florido Navarro ihre Ateliers haben. Im Hof spielte die Band Jam Passion jazzige Klänge an diesem herrlichen Spätsommerabend, die Leute saßen draußen, genossen den Jazz und schauten sich in den Atelierräumen um. Bei Thiemann fielen die Installation "Der Schwarm" aus 62 Fischen aus Ton, Frauenporträts und Badekappenbilder auf, bei Florido Navarro geheimnisvolle vielschichtige Bilder mit Schrift. Die Malerin hatte den Bildhauer Richard Allgaier eingeladen, der mit Skulpturen aus Holz und Bronze die Atelierschau bereicherte.

Auch spätabends waren noch viele Besucher unterwegs, etwa im Atelier von Marga Golz, die Beispiele ihrer neuesten Bilderserien über Chamäleons zeigte.

Erstmals bei der Ateliernacht machte Ellen Mosbacher mit, als Gast in Golz‘ Atelier, wo sie objekthafte Materialbilder und neue Frauenporträts mitgebracht hatte. Auch etwas weiter entfernt zu Elena Politowa, Wladimir Fuchs und Magdalena Schneider führte der anregende Kunst-Spaziergang.

Alle Ateliers zu besuchen, war wohl in den sechs Stunden kaum zu schaffen, aber den Kunstfreunden bot sich eine wunderbare Gelegenheit, geballt an einem langen Abend in lockerer Atmosphäre sehr viele Künstler im Gespräch näher kennen zu lernen. Auch die beteiligten Kunstschaffenden freuten sich, dass dieses Projekt so erfolgreich funktioniert.