Grüne

Bundestagsabgeordneter erklärt auf S-Bahn-Fahrt sein Verständnis von Nachhaltigkeit

Ansgar Taschinski

Von Ansgar Taschinski

Fr, 31. Mai 2019 um 17:04 Uhr

Lörrach

Der Grünen-Abgeordnete Gerhard Zickenheiner lud zu einer S-Bahn-Fahrt zum Thema Nachhaltigkeit. Zehn Besucher verfolgten die Ausführungen auf der Strecke zwischen Basel und Zell.

Kaum hatte der Zug den Lörracher Hauptbahnhof in Richtung Basel verlassen, ging Zickenheiner zunächst auf eine Zeitreise und erklärte die Entstehung und Entwicklung der "Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung" der Vereinten Nationen (UN). So erläuterte Zickenheiner während der 23 Minuten bis zum Bahnhof Basel SBB die darin definierten 17 nachhaltigen Entwicklungsziele: Von der Bekämpfung der Armut über die Schaffung von Nachhaltigkeit in Städten und Gemeinden bis hin zum Eingehen von Partnerschaften zur Erreichung dieser Ziele.

Themen: Nachverdichten, Dämmen und S-Bahn

Seit Jahrzehnten werde gesagt, dass man etwas tun müsse, die Unterstützung, um diese Ziele zu erreichen hingegen, sei viel zu knapp, so Zickenheiner. Es brauche einen übergreifenden Aushandlungsprozess. Das Hinhalten der Bundesregierung, so der Bundestagsabgeordnete, sei nicht Blauäugigkeit, sondern Taktik.



Umso erfreulicher sei die Politisierung der Jugend. "Ich bin mächtig stolz, das erleben zu dürfen", so Zickenheiner. Kaum hatte der Zug Basel wieder verlassen, ging Zickenheiner auf die Auswirkungen einer nachhaltigen Politik entlang der Strecke ein. Etwa, dass man auf Schweizer Seite im Rhein baden dürfe, während in Deutschland die Normen so streng seien, dass im Landkreis Lörrach einzig der Nonnenmattweiher offiziell als Badegewässer ausgewiesen sei. Wenn die Menschen die Gewässer etwa zum Schwimmen und Baden nutzen könnten, sorge das auch für einen anderen Umgang mit dem Element Wasser, so der Bundestagsabgeordnete.

Vorbildlich sei auch die städtische Nachverdichtung in Basel. In vielen Wohngebieten gebe es dort gerade einmal 0,3 Stellplätze pro Wohnung vorgesehen seien, im Gegensatz etwa zum Lörracher Neubaugebiet Belist, wo zunächst 2,5 Stellplätze gefordert worden seien. Zudem müsse man auch fragen, ob mehr Wohnfläche wirklich so viel mehr Qualität bringe. So sei die Wohnfläche pro Person von 16 Quadratmetern im Jahr 1950 auf heute 49 Quadratmeter angewachsen, so Zickenheiner.

Diskutiert wurde auch die Dämmung von Wohnhäusern. Hier brauche es stets eine fallspezifische Untersuchung, ob eine nachträgliche Dämmung eines Gebäudes auch wirtschaftlich sei, zudem müsse die Zuschusssituation verbessert werden.

Ärmere Schichten sollen nicht überproportional leiden

Während auf dem Weg in Richtung Zell links und rechts die Landschaft vorbei zog, betonte Zickenheiner die Bedeutung der S-Bahn. Diese habe die erlebte Distanz zwischen dem Land und etwa Basel verkürzt und Orte verbunden. So brauche es für die Zukunft eine Nachverdichtung des S-Bahn-Taktes auf jede Viertelstunde. Wenn man den ländlichen Raum anbinden und attraktiv halten wolle brauche es zudem clevere Konzepte und deutlich mehr Einsatz. Darunter auch bessere Busverbindungen. "Die persönliche Mobilität ist hier noch im Hintertreffen", so Zickenheiner. Für längere Strecken brauche es zudem schnelle und verlässliche Langstreckenverbindungen und Nachtzüge.

Auf dem Rückweg von Zell ging Zickenheiner auf die Umsetzung der Entwicklungsziele vor Ort ein. "Es braucht eine große Allianz der Willigen", sagte er. Dabei werde Klima- und Umweltschutz vor allem vor Ort durch die Individuen, Kommunen und Landkreis geleistet. Zugleich müsse man aufpassen, Maßnahmen sozialverträglich zu gestalten, dass nicht die ärmeren Schichten überproportional unter Klimaschutzmaßnahmen zu leiden hätten. Zur Sprache kamen zum Abschluss auch die Radschnellwege. Zickenheiner warnte davor, Fußgänger und Radfahrer gegeneinander auszuspielen. So müsse die Strecke klar getrennt sein, sodass alle davon profitieren könnten.