Musik, die Herz und Seele berührt

Barbara Ruda

Von Barbara Ruda

Fr, 15. März 2019

Lörrach

"Wochen gegen Rassismus" mit interkulturellem Fest und Vertretern der drei abrahamitischen Religionen eröffnet.

LÖRRACH. Zur Eröffnung der Wochen gegen Rassismus ist am Mittwochabend in der Alten Feuerwache ein interkulturelles Fest mit Musik, Tanz und Gesang gefeiert worden. Zum ersten Mal beteiligt sich unter dem Motto "Lörrach für Vielfalt und Menschenwürde" auch die Stadt selbst an diesem Programm. "Es ist wichtig, dass wir ein solches Zeichen setzen", stellte Oberbürgermeister Jörg Lutz fest.

Während einige Programmpunkte eher den Kopf ansprechen und eine intellektuelle Auseinandersetzung anregen sollen, gebe es auch solch für den Bauch – wie dieses Fest. Etwas, was Herz und Seele berührt. Man brauche beide Ansätze, so Jörg Lutz. "Friede sei mit euch – Salam – Shalom", begrüßte Hausherrin Gudrun Mauvais die Gäste im voll besetzten Saal. Denn der Friede, so die Pfarrerin der Matthäusgemeinde, sei der Gegenpol zu Rassismus. "Wir alle bedürfen eines Miteinanders, das eintritt, wenn wir einander in unserer Menschenwürde wahrnehmen", sagte Mauvais.

Nach ihr sprachen Hanna Scheinker, die Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde, und Yavuc Hallac, Vorsitzender der Milli-Göris-Gemeinde. Während Hanna Scheinker erzählte, dass ihr und ihrer Familie in den 40 Jahren, in denen sie in Deutschland lebten, im Sinne von Diskriminierung nie etwas Schlechtes passiert sei, widersprach Hallac der Einschätzung des Oberbürgermeisters, in Lörrach begegne man der Problematik des Rassismus allenfalls in subtiler Form. Wenn das Erscheinungsbild nicht gängig sei, beispielsweise eine Frau ein Kopftuch trage, fände Diskriminierung statt – nicht zu einem großen Teil, aber trotzdem wahrnehmbar.

Zu Beginn des von Herbert Sitterle zusammengestellten musikalischen Programms spielten und sangen Samano Althir an der Saz und Abdelrahman Hussein an der Oud Volksmusik aus Syrien. Känge, bei denen Europäer schwer verstehen können, welche Stimmung damit ausgedrückt wird. In der arabischen Musik gebe es nicht Dur und Moll, sondern zwölf Tongeschlechter, erläuterte Ute Schmitz. Und dazu merkwürdige Halb- und Vierteltöne, ungewohnte Rhythmen und keine Noten. Die im Arbeitskreis Miteinander ehrenamtlich Engagierte lernt bei Samano Althir diese Art der Musik kennen, während sie ihm über bürokratische Hürden hilft. Beide Musiker bilden sich zum Erzieher weiter. Wiederholte Motive in den Liedtexten sind (verlorene) Heimat, Liebe und Natur. Die jiddischen Lieder, die ihr die Mutter in ihrer Kindheit in der Ukraine vorsang, sind Anna Matskina bis heute in Herz und Seele geblieben. "Ich trage sie weiter, so lebt unserer Kultur noch", erklärte die Sängerin und stimmte unter anderem "Auf dem Pripitscheck brennd a Fairl" an, in dem ein alter Rabbiner die kleinen Jungen in "Hebreichen Alphabet" unterrichtet.

Die Frauengruppe Simha, die heuer ihr 15-jähriges Bestehen feiert und 2005 das Internationale Festival "Golden Chanukia" gewann, tanzte, begleitet von der Schopfheimer Musikgruppe Graadhydt, zu jiddischen Weisen. In der Pause konnte man im Foyer genießen, was die Frauen der Schubert-Durand-Stiftung mitgebracht hatten.

Mehr zu den Aktionswochen unter http://mehr.bz/rassismus19