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Interview

Lörracher Onkologen sehen den Einsatz von Methadon in der Krebstherapie skeptisch

Den derzeit vieldiskutierten Einsatz von Methadon bei Tumorerkrankungen sehen die Lörracher Onkologen Jan Knoblich und Richard Fischer skeptisch. Dazu fehlten saubere Studien.

  • Richard Fischer und Jan Knoblich (von links) Foto: Thomas Loisl Mink

Medienberichte haben den Eindruck erweckt, Methadon verstärke bei Tumorerkrankungen die Wirkung der Chemotherapie. Das hat zu einer starken Nachfrage geführt. Allerdings gibt es bisher keine kontrollierten klinischen Studien, die diese Wirkung nachweisen. Jan Knoblich und Richard Fischer, Leiter der Onkologischen Schwerpunktpraxis in Lörrach, warnen deshalb noch vor dem Einsatz von Methadon, weil man mögliche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen noch nicht kennt. Thomas Loisl Mink hat mit ihnen über das Thema gesprochen.

BZ: Methadon soll die Wirkung der Chemotherapie bei Hirntumor-Patienten verbessern. Ist da etwas dran?

Knoblich: Zunächst einmal können wir es sehr gut verstehen, wenn Patienten in ihrer Not an alles denken, was den Verlauf ihrer Erkrankung günstig beeinflussen könnte. Nach bisherigem Stand gehört Methadon zumindest noch nicht dazu. Es fanden bisher fast ausschließlich vorklinische Untersuchungen in Zellkulturen statt und es gibt noch keine einzige Studie, die die Wirksamkeit von D,L-Methadon beim Menschen belegt. Es gibt eine einzige bisher veröffentlichte, nicht kontrollierte klinische Studie, die im Nachhinein bei einer kleinen uneinheitlichen Gruppe von Patienten mit verschiedenen Hirntumoren die zusätzliche Gabe von D,L-Methadon untersuchte. Die Autoren der Studie sagen selbst, Verträglichkeit und Nebenwirkungen sind nicht gut bekannt und der Antitumor-Effekt von D,L-Methadon muss in einer prospektiv randomisierten Studie untersucht werden. Die Lehren aus dem Contergan-Skandal waren, dass nicht jedes Medikament, das vielleicht wirksam sein könnte, einfach so eingesetzt wird.

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