Menschen im Hochschwarzwald

Auf dem Kesslerhof in Hinterzarten gibt’s Biomilch rund um die Uhr

Dieter Maurer

Von Dieter Maurer

Sa, 06. Juli 2019 um 01:17 Uhr

Hinterzarten

Hier kann man Milch am Automaten zapfen. Am Samstag eröffnet Wolfram Tritschler mit seiner Frau Boba "Kesslers Milchbrunnen". Das Besondere: Angeboten wird Bio-Weide-Heumilch.

Die Eigentümer des Kesslerhofs in Hinterzarten gehen neue Wege: Das Familienunternehmen an der Erlenbrucker Straße erhielt zum 1. Juli das Zertifikat als Bioland-Hof. An diesem Samstag, 14 Uhr, eröffnet der staatlich geprüfte Wirtschafter in Landbau, Wolfram Tritschler gemeinsam mit Ehefrau Boba "Kesslers Milchbrunnen". Das Besondere: angeboten wird Bio-Weide-Heumilch.

Der Kesslerhof ist einer der letzten voll bewirtschafteten Höfe in unmittelbarer Ortsnähe. Er zählt zu den ältesten landwirtschaftlichen Betrieben in Hinterzarten. Die Geschichte reicht bis in das Jahr 1446 zurück. 1650 hatte beim Scheibenschlagen eine besonders weit fliegende glühende Scheibe den Ursprungshof in Brand gesetzt. Am 1. April 1655 wurde der Neubau aufgerichtet.

Unvergessen bleibt der 31. August 2009, als das Hofgebäude erneut bis auf die Grundmauern abbrannte. Bei einem Tag der offenen Tür im Oktober 2010 konnten mehrere Tausend Besucher das wieder aufgebaute Gebäude besichtigen. Dazu zählte ein einreihiger Fischgräten-Melkstand für das gleichzeitige Melken von fünf Kühen. Die Milch floss direkt in eine selbstreinigende und gekühlte Anlage aus Edelstahl. Während des Melkens erhielten die Tiere eine individuelle Menge an Kraftfutter. Der moderne Laufstall entsprach bereits den erst im Januar 2013 in Kraft getretenen EU-Richtlinien. Eine Besonderheit stellte die "Wellnessanlage" für die Rinder dar – ein Zwei-Bürsten-Viehputzgerät am Eingang zum Stall.

Boba und Wolfram Tritschler übernahmen den Hof im Jahr 2003. Nach dem Brand hatten die Eheleute und ihre fünf Kinder eine schwere Zeit durchgemacht, aber auch viel Hilfsbereitschaft erfahren.

Der vorausschauenden Planung war ein längerer Überlegungsprozess voraus gegangen. Die endgültige Entscheidung für eine moderne und zeitgemäße Viehhaltung fiel im Herbst 2010. Grund waren veränderte Marktverhältnisse: Biomilch war immer stärker gefragt und erbrachte auch höhere Preise. Fortan erhielten die Milchkühe nur biologisch erzeugtes Futter: Heu, Gras und auch Kraftfutter aus einer Getreidemischung. "Das Biogetreide ist natürlich ohne Pestizide oder sonstige künstliche Zusätze", betont der 39-jährige Landwirt.

"Bei uns grasen die Kühe an mindestens 150 Tagen im Jahr jeweils acht Stunden auf der Wiese", sagt Wolfram Tritschler und ergänzt: "Bei Heumilch ist das Hauptkriterium, dass die Kühe kein Gärfutter erhalten. Silo verändert den Geschmack der Milch. Wertvolle Omega-3-Fettsäuren gehen verloren." Im Winter werde auf Bergwiesen geerntetes Heu verfüttert. "Biomilch ist die Königin unter den Milchsorten. Da unsere Kühe auch noch Hörner tragen, ist das Natur pur", sagt Boba Tritschler. Die Milch werde mehrmals monatlich auf Keime, Zellgehalt und Inhaltsstoffe kontrolliert. Sie werde nur gefiltert und gekühlt, ansonsten aber nicht behandelt. Einmal monatlich wird sogar jede Kuh separat getestet.

Die 14 Kühe produzieren pro Tag rund 280 Liter Milch mit einem Fettgehalt von 3,6 bis 4,2 Prozent. Damit sich die Investition für den teuren Automaten lohne, müssten täglich 20 bis 25 Liter direkt verkauft werden. Der Literpreis beträgt 1,20 Euro. Geeignete Glasflaschen können die Kunden für einen Euro an der Ausgabestelle erwerben. Ein Großteil der Milch wird weiterhin für knapp einen Euro an Schwarzwald-Milch verkauft. Im Hochschwarzwald setzen bereits mehrere Höfe auf Automaten, an denen Kunden Milch zapfen können.

Bei der Eröffnungsfeier heute, Samstag, ab 14 Uhr gibt es Informationen rund um "Kesslers Milchbrunnen", werden bei Kaffee und Kuchen Fragen zum Milchautomaten, Milchgewinnung und Milchqualität beantwortet. Stallbesichtigung und Streichelzoo stehen ebenfalls auf dem Programm.